Saudi-Arabien: Meinungsfreiheit, 600 Peitschenhiebe und Schweigen


Bild: dailytalk.ch
Wie sich die US-Politik für das Recht auf freie Meinungsäußerung in Saudi-Arabien einsetzt

Von Thomas PanyTELEPOLIS

Von der Todesstrafe blieb der Mann verschont, dafür stehen ihm sechshundert Peitschenhiebe – wie hält man das aus? – und sieben Jahre Gefängnis bevor. Raif Badawi ist saudi-arabischer Nationalität und Muslim. Das erklärt die Strafe, die ein Gericht in Jedda aussprach. Was Badawi vom Gericht zur Last gelegt wurde, wird anderswo als notwendige Freiheit der vierten Gewalt und als unveräußerliches Grundrecht verstanden.

Dass die Arbeit der Religionspolizei durchaus kritikwürdig ist, hatte bereits im letzten Jahrzehnt andere saudi-arabische Freidenker zu ihren Veröffentlichungen motiviert – spätestens seit diese eigentümliche Polizei 2002 Helfern bei einem Brand in einer Mädchenschule den Weg versperrten und den Mädchen die Flucht nach draußen nicht gestatteten. Der saudische Blogger „The Religious Policeman“ (Die Mission des Religionspolizisten) war klug genug, seine Veröffentlichung voller schneidender Kritik am alltäglichen religiös verkleideten Irrsinn rechtzeitig einzustellen, bevor die Behörden seine Identität feststellen konnten.

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1 Comment

  1. Man ist einfach fassungslos – tiefstes Mittelalter in unserer Zeit. Aber wir brauchen nur ein paar Jahrhunderte in unserer eigenen Geschichte zurückgehen und uns der Inquisition und der sog. Hexenverbrennung erinnern. Es ist das gleiche Denken, das auch in unseren Breiten einst herrschte. Es brauchte Jahrhunderte bis wenigstens die Macht, solches Denken in Handeln umzusetzen, gebrochen wurde. Dass solches Denken selbst noch heute in manchen Köpfen herumgeistert und zur Umsetzung aufruft, kann auf so mancher religiös inspirierten Internetseite nachgelesen werden. Deren wirrköpfige Verfasser leben in Mitteleuropa und bedienen sich modernster Techniken, die sie aufgrund ihres Geisteszustandes selbst nie hervorbringen könnten.

    Viele von uns meinen, dass sich diese freiheitsgefährdenden und menschenverachtenden Auffassungen durch Ignorieren von allein abschaffen würden. Wie wenig unsere Politik bereit ist, Menschen zu unterstützen, die den Mut haben, sich aktiv für Freiheits- und Menschenrechte einzusetzen, wurde jüngst am Beispiel des deutsch-ägyptischen Politologen Hamed Abdel Samad‎ deutlich.

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