Der Spiegel & Sarrazin: Das „gutgläubige“ Leitmedium


Spiegel September 2010
Spiegel September 2010
Im „Fall Sarrazin“ scheitert der Spiegel bis heute am eigenen Aufklärungsanspruch: Statt selbst zu recherchieren, verbreiten die Redakteure lediglich, was Prominente ihnen in den Block diktieren.

Von Martin NiggeschmidtMiGAZIN

War Hitler hochbegabt? Macht Schule dumm? Diese und andere Fragen zum Thema Intelligenz versuchte ein Spiegel-Redakteur kürzlich zu klären, indem er den Begabungsforscher Detlef Rost um Auskunft bat. Neun solcher Mythen wurden locker abgearbeitet, bis es zum Ende hin plötzlich ernst wurde: Mythos Nummer zehn lautete nämlich: „Bei Fragen der Intelligenz gibt es keine Tabus.“

Detlef Rost schien sofort zu wissen, worauf das Stichwort „Tabu“ abzielte. „Ob es Unterschiede zwischen Ethnien gibt, ist ein weithin erforschtes Feld“, so Rost. „Aber ich werde hier nicht einmal fremde Ergebnisse wiedergeben, geschweige denn meine Meinung sagen. Sonst müsste ich fürchten, dass ich in der Vorlesung mit Eiern beworfen werde.“ (Der Satz wurde inzwischen aus dem Netz genommen.)

Detlef Rost ist eine der wichtigsten deutschen Quellen von Thilo Sarrazins Bestseller „Deutschland schafft sich ab“, und Rost sprang dem ehemaligen Berliner Finanzsenator in der öffentlichen Debatte des Jahres 2010 zur Seite. Die „Sarrazin-Methode“, sich als Opfer von Tugendterror und Zensur darzustellen, beherrscht offenbar auch er. Doch ist die Forschungslage tatsächlich so eindeutig, wie Rost suggeriert?

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