Reliquien: Tausendmal berührt, Tausendmal ist nix passiert


Das Stiftskreuz Borghorst: In der Ampulle sind Teile des Kreuzes und Schwammes Jesu Christi. (dpa)
Von Heiligen berührt, können Dinge Macht speichern. Jahrhunderte später noch kann der Gläubige daran und an der Heiligkeit teilhaben. Das ist die Idee, die Reliquien etwa im katholischen Christentum zu Grunde liegt.

Der Historiker Michael Hesemann über die Bedeutung von Reliquien als Brücke zum HimmelDRadio Wissen

Von Reliquien versprechen Heilige sich Heilung, Schutz oder Sühne: Knochen, Tücher, Papstblut, die Muttermilch der Jungfrau Maria, ihre Tränen, die Windeln Jesu, sogar seine Vorhaut (in mehrfacher Ausführung) sind auf diesem Hoffnungsmarkt zu haben. Aus den zahlreichen Splittern, die vom Kreuz Jesu im Umlauf sind, soll man ganze Schiffe zusammenbauen können.

Reliquienboom im Mittelalter

Der Reliquien-Kult stammt aus vorchristlicher Zeit. Im Mittelalter boomte er bei den Christen. Zu vermuten ist, dass findige Geschäftsleute und geschäftstüchtige Kirchenmänner diesen Hype um die Knöchelchen, Tücher und Blutstropfen förderten. Die Macht ganzer Regionen ist zuweilen darauf begründet – Köln kam vor allem dank der (vermuteten) Gebeine der heiligen drei Könige nicht nur zum Dom sondern auch zu weltlicher Bedeutung: Die Stadt lockte Massen von Pilgern an und untermauerte so ihren politischen Machtanspruch.

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  1. In Reliquien wirkt nach Theodoret von Kyros 430 v.C. die wundertätige Kraft Gottes. Es gibt eine Feder des Engels Gabriel, Dolch und Schild des Erzengels Michael vom Kampf mit dem Satan, Jesus Christi Hauch; die beschissene Windel von Jesus im Aachener Dom, den Schneidezahn des Täufers Johannes, eine Flasche mit ägyptischer Finsternis, den Schall der Glocken als Christus in Jerusalem einzog; die Brustmilch der Maria; die Milchzähne, den Rock, die Sandalen, Stroh aus der Krippe oder die Nägel der Kreuzigung von Jesus; einen Strahl des Sterns der den Weisen aus dem Morgenland leuchtet; den Seufzer von Zimmermann Joseph beim Holz hobeln; der Stab mit dem Moses das Meer teilte, das Messer mit dem Delila den Simson schor; den Pfahl im Fleisch des Apostel Paulus; das Turiner Grabtuch; die heilige Lanze als Reichskleinod; die 150% echten Köpfe des Johannes in Rom, Amiens, Konstantinopel, Sebastia und Sosopol; Holzsplitter vom Kreuz Christi in der Summe ein Wald.

    Die Kirchen in Boulogne, Compiegne, Metz, Nancy, Paris, Charroux Coulombs, Le Puy-on-Velay/Chartres, Besancon, Langres sur Marne, Conques/Aveyron, Fecamp/Seine-Maritime stellen als Reliquie die 11 absolut echte Vorhaut von Jesus aus. Die letzte Vorhaut Prozession findet 1983 in Calcata statt, einem winzigen Dorf der Provinz Latium. Dorthin wird eine weitere heilige Vorhaut von Jesus beim Sacco di Roma im Mai 1527 durch einen Landsknecht geraubt und 30 Jahre später entdeckt. Seit 1900 schweigt der Vatikan zu seinen heiligen Vorhäuten.

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