Als die Katholiken Reichsfeinde waren


1871 beginnt Otto von Bismarck den „Kulturkampf“ (Bild: AP)
Es ist der Startschuss für den Streit zwischen Otto von Bismarck und der katholischen Kirche: 1871 erlässt der Reichskanzler den „Kanzelparagraphen“. Ab da gilt für Geistliche: Politische Äußerungen im Amt sind verboten. Und das ist erst der Anfang einer ganzen Reihe von antiklerikalen Maßnahmen.

Von Monika KöpckeDeutschlandradio Kultur

„Das Christentum beruht gänzlich auf der Souveränität des Papstes. Man kann deshalb als Prinzip der politischen und sozialen Ordnung die folgende Kette von Vernunftschlüssen aufstellen: Es gibt kein Christentum ohne Katholizismus, es gibt keinen Katholizismus ohne Papst, es gibt keinen Papst ohne den ihn zukommenden unbedingten Vorrang.“

So hatte der französische Philosoph Joseph de Maestre im 18. Jahrhundert gegen die Aufklärung argumentiert. Gut 100 Jahre später führte diese „Logik“ fast zwangsläufig zum Unfehlbarkeitsdogma. Unfehlbar, so verkündete es Papst Pius IX. 1870, seien die Entscheidungen des Heiligen Stuhls. Wer sie nicht befolge, dem drohe die Exkommunikation. Bereits 1864 hatte Pius mit dem „Syllabus errorum“ die nichtkatholische Welt erschreckt. 80 Irrtümer des modernen Liberalismus zählte er darin auf, denen sich ein gläubiger Katholik widersetzen müsse. Nicht nur in kirchlichen, sondern in allen Bereichen des Lebens. Dieser Anspruch kollidierte mit den Grundsätzen des Deutschen Reichs:

„Unser deutsches Kaiserreich ist nicht heilig und nicht römisch. Es ist durch und durch ein nationales Gebilde und hat nicht unfruchtbaren kirchlichen Phantomen nachzujagen, die noch dazu mit religiösen oder sittlichen Zielen wenig zu tun haben, sondern Ausdruck eines die Staatsräson gefährdenden Machtgebarens ist.“

weiterlesen

1 Comment

Kommentare sind geschlossen.