Über die irritierende Männlichkeit des Atheismus


Bild: blog.tagesanzeiger.ch
Während der „neue Atheismus“ in den industrialisierten Ländern langsam an Boden gewinnt, beginnen sich einige Autorinnen zu fragen, wo eigentlich die neuen Atheistinnen bleiben. Gibt es sie nicht, oder sind sie im Abseits der Medienaufmerksamkeit sehr wohl existent?

Von Marcus HammerschmittTELEPOLIS

Richard Dawkins und Christopher Hitchens – zwei Namen, die nahezu jedem einfallen, der sich überhaupt für den „neuen Atheismus“ interessiert. Fragt man nach Atheistinnen mit Starstatus, tritt schnell Stille ein, und ich gebe geniert zu, dass das bei mir genau so ist. Ein bisschen wirkt das wie die peinlichen Fehler der britischen Presse im Umgang mit Wimbledon 2013: Andy Murray habe als erster für einen britischen Wimbledon-Triumph seit 77 Jahren gesorgt, hieß es, was die Turniergewinne von Dorothy Round Little (1937), Angela Mortimer Barrett (1961), Ann Haydon Jones (1969) und zuletzt Virginia Wade (1977) in einem Akt patriarchaler Zauberkunst zum Verschwinden gebracht hatte.

Der Kommentar der feministischen Autorin Chloe Angyal trifft es wohl am besten:

Murray is indeed the first Brit to win Wimbledon in 77 years unless you think women are people.

Nun ist weder der neue Atheismus sehr neu, noch die patriarchale Zauberkunst, aber es ist schon erstaunlich, dass sich auch in einer Dissidentenbewegung, die dem rationalen Gedanken die Erkenntnis der Wirklichkeit am ehesten zutraut, ein irrationaler Überhang von Männern abzeichnet. Wenn alle Menschen grundsätzlich gleich sind und wenn es ungefähr genauso viele Männer wie Frauen auf der Welt gibt (in den Industrienationen sogar einen leichten Frauenüberhang) – wo bleiben die Atheistinnen?

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