Evangelikaler vs islamischer Fundamentalismus


Das Kreuz mit den Religionen
Das Kreuz mit den Religionen
Die Bonner Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher hat den den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek aufgefordert «rufschädigende» Äußerungen zurückzunehmen und sich bei ihr zu entschuldigen.

Was war passiert? Frau Dr. Schirrmacher behauptet, dass das Christentum mehr Gemeinsamkeiten mit demokratischen Prinzipien als der Islam hat. In ihrer Publikation Islam und Demokratie – Ein Gegensatz?, erschienen im SCM Hänssler Verlag, legt sie ihren Standpunkt dar.
Aiman Mazyek äußerte sich vor ein paar Tagen zu den Einlassungen der Frau Schirrmacher sinngemäß, […]mancher sogenannter Islamexperten, dass sie einer fundamentalistischen Lesart» des Islam stets das Wort redeten[…]

Frau Dr. Schirrmacher ist wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz, vertritt also christliche Interessen, die expressis verbis auch in der o.g. Publikation zu erkennen sind. Wissenschaftliche Neutralität sieht anders aus. Die Deutsche Evangelische Allianz steht nun nicht gerade für Fortschritt und Humanismus. Erst in der jüngsten Auseinandersetzung mit der kreationistischen Gemeinschaft von Wort und Wissen, es ging um kreationistische Inhalte an Schulen, vertrat man die Position die Genesis der Bibel parallel zur Evolutionstheorie unterrichten zu wollen, das ist fundamentaler Bibelglaube. Wenn also Frau Schirrmacher demokratische Prinzipien für das Christentum beansprucht darf man beruhigt sagen, dass sich das Christentum heute in einem Zustand der säkularen Zähmung befindet. Mit dem Wegfall der Sperren würden wir uns alle in einer evangelikalen Theokratie wiederfinden.
Soweit Frau Schirrmacher.

Herr Mazyek ist nicht besser.

Dummheit ist ja kein Mangel an Wissen (dem ließe sich abhelfen), sondern der Unwille, zuweilen auch die Unfähigkeit, die Welt anders als in klappernd dualistischen Begriffen zu betrachten. So Dirk Pilz in der Berliner Zeitung vom 09.08.2013.

Herr Mazyek betont in einem KNA-Interview, „dass für Europa die Demokratie auch nicht vom Himmel gefallen sei.“ Richtig. Die Demokratie, der Humanismus, die plurale Gesellschaft mussten der katholischen und der evangelischen Kirche in hartem Kampfe abgerungen werden. Religionsfreiheit ist keine Errungenschaft der Religionen, sie ist ein unabdingbares Ergebnis der Säkularisation. Nun wehrt sich der Herr Mazyek gegen die Begrifflichkeiten des politischen Islam in Verbindung mit der islamischen Religion. Dies seien «Kampfbegriffe» und «das Werk von Propagandisten und Ideologen».
Lassen wir den einflußreichen Mentor des politischen Islam zu Wort kommen.

Sayyid Abul `Ala Maududi

Das Ziel des politischen Islam ist es, die Souveränität des Volkes, wie sie sich in der parlamentarischen Gesetzgebung manifestiert, durch die »Souveränität Gottes« zu ersetzen, die in vollkommener und endgültiger Form in der Shari’a geoffenbart worden ist.

Muslime können sich heute gar nicht wünschen, Islam als Religion oder als politische Ideologie nicht trennen zu wollen.

Dann offenbart der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland etwas, was nur mit Dummheit zu beschreiben ist. „Die Muslimbrüder seien «politisch unerfahrene Frischlinge» und völlig abhängig vom alten Staatsapparat gewesen.“

Kleine Nachhilfe. Nach der Ermordung einiger Politiker in Ägypten, es waren auch Minister darunter, hatte der Schwiegersohn Hassan al-Bannas, Said Ramadan, im September 1953, eine Audienz im Oval Office des Weißen Hauses in Washington. Präsident war zu der Zeit Dwight D. Eisenhower. Said Ramadan, master mind in Sachen Ideologie der Muslimbruderschaft, hatte sich durch die Heirat mit Wafa al-Banna, der Tochter Hassans, in eine denkwürdige Position gebracht. Die Frage, die sich ergibt, wie kommen politisch unerfahrene Frischlinge in das Oval Office?
Anwar as-Sadat, Muslimbruder und Präsident von 1970 bis zu seiner Ermordung durch islamistische Fundamentalisten, setzte alle säkularen Gesetze und Verordnungen seines Vorgängers Nasser außer Kraft. Wie dem auch sei, ein Muslimbruder als Präsident. Politisch unerfahrene Frischlinge?

Im Laufe der Jahre haben sich die Muslimbrüder nicht nur in religiöser Hinsicht in die Gesellschaft eingebracht, sozial, kulturell, in der Bildung.

Wer den Muslimbrüdern in Ägypten politische Unerfahrenheit vorwirft sollte den Umstand seines Nichtwissens schleunigst abhelfen oder aber er versucht bewusst die Öffentlichkeit zu täuschen.

10 Comments

  1. @Gelmir: Vielen Dank für die klare Positionierung. Denn wenn etwas fundamentalistisch im negativen Sinne ist, dann doch als nicht hinterfragbar verkaufte Postulate, wie:

    „Wissenschaft braucht keine albernen Gotteskonstrukte, um zu Erkenntnissen zu kommen – die behindern eher.

    Religion hat in der Wissenschaft nichts zu suchen – so einfach ist das.“

    (Mal nebenbei: Es gibt neben den Naturwissenschaften noch andere Wissenschaften, um die es hier ja eigentlich auch geht. Manche von ihnen beschäftigen sich sogar mit Religionen als ihrem Hauptgegenstand. Es wird schwierig die Religion aus solchen Wissenschaften fern zu halten.)

    Da man hier offenbar keine sachliche Diskussion, sondern nur Beschimpfungen bekommt, verabschiede ich mich lieber mal mit freundlichen Grüßen.

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  2. schade, hatte gehofft, hier eine kritische Aufarbeitung der Debattte zu finden. Dann ist es doch nur Polemik, wo es in keiner Weise um die Diskussion an sich geht. Wer hat denn was gesagt? Stattdessen steile Behauptungen, dass Wissenschaftler letzlich nicht religiös sein dürfen. . Gerade dass Frau Schirrmacher eindeutig ihre Verortung angibt macht es möglich, ihre Argumentation auch vor diesem Hintergrund besonders kritisch zu lesen. Weltanschauliche Neutralität ist Selbstbetrug. Das geht nicht. Dann doch besser eine ehrliche Äußerung des eigenen Standpunktes, wo auch klar die Prämissen deutlich werden, von denen aus abschließende Urteile gefällt werden. Das macht den Diskurs ehrlicher, leider auch anfälliger für gruppenbezogene Menschenabwertung, die nichts mit den Argumenten zu tun haben.

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  3. @flitzeflink

    Das würde aber dann auch bedeuten, dass ein Atheist keine Wissenschaft betreiben darf. Denn wenn er bei seinen Forschungen davon ausgeht, dass es keinen Gott gibt, dann wird das auch seine Deutung der Forschungsergebnisse bestimmen.

    Bist Du noch ganz knusprig im Kopf?
    So was dummes habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen!

    Wissenschaft braucht keine albernen Gotteskonstrukte, um zu Erkenntnissen zu kommen – die behindern eher.

    Religion hat in der Wissenschaft nichts zu suchen – so einfach ist das.

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  4. @flitzeflink

    Sonst noch alles knusprig im Kopf?

    Ein atheistisches Weltbild basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen!
    Wissenschaft braucht keinen Gott. Das geht alles bestens ohne irgendwelche albernen Gotteskonstrukte

    Vielleicht machst Du Dich erst mal schlau, bevor Du hier noch mal so dummes Zeug ablässt.

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  5. @emporda & nickpol: Das würde aber dann auch bedeuten, dass ein Atheist keine Wissenschaft betreiben darf. Denn wenn er bei seinen Forschungen davon ausgeht, dass es keinen Gott gibt, dann wird das auch seine Deutung der Forschungsergebnisse bestimmen. Aber ich traue sowohl Christen als auch Atheisten zu, dass sie, wenn sie Wissenschaft betreiben, in der Lage sind, ihre eigene Position von ihren Forschungsergebnissen her kritisch zu hinterfragen. Zudem empfehle ich erneut, erstmal all das zu lesen, was auf der Seite des Islaminstituts geboten wird und dann vielleicht hier mal detailliert aufzulisten, wo die dort dargebotenen Forschungsergebnisse nicht wissenschaftlich sind. Soviel zur sachlichen Argumentation.

    Ja, und der Fundamentalismusvorwurf macht natürlich jeden schnell mundtot, der anderer Meinung ist als man selbst. Ein fairer toleranter Austausch sieht für mich anders aus. Habt ihr etwa kein Fundament, von dem aus ihr argumentiert? Und dann solche Aussagen, wie: „unter keiner Religon gibt es wissenschaftliche Erkenntnis wie auch immer“ – wenn das kein Fundamentalismus ist, weiß ich es auch nicht. Auch hier empfehle ich mal die Lektüre einer Geschichte der Computerwissenschaft oder der Mathematik. Ihr seid schon lustig hier 😉 Aber lassen wir es dabei.

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  6. @flitzeflink
    Man kann es nicht oft genug wiederholen, unter keiner Religon gibt es wissenschaftliche Erkenntnis wie auch immer. Jede Publikation, Studie oder Erklärung folgt der unantastbaren Vorgabe einer bronzezeitlichen Weisheit mit dem Intellekt eines Kleinkindes. Damit ist auch keine der getroffenen Massnahmen wissenschaftlich begründbar

    Wissenschaft ist eine offene, freie und im Ergebnis neutrale und Methodologie des Zweifels, sie nutzt Theorien, Tests, Hypothesen, Fakten und Fossilien wieder und wieder auf der Suche nach beweisbaren Erklärungen für eine allen Forschenden frei zugängliche und beliebig prüfbare Realität. Denken im Zweifel als wesentliches Element reduziert die Theologie zur Pseudo-Wissenschaft mit Mythen, Wundern, Engeln, Zombies und absoluten RKK Vorgaben zur ewig wahren Pseudo-Realität.

    Wissenschaft und Religion sind totale Extreme, sie in Verbindung zu setzen ist der argumentative Tod jedweder Religion. Realitätsverweigerung und Ignoranz der Religionen gelten medizinisch als Wahn, im Extrem als psychopathologische Schizophrenie, wenn der Wähnende leidet oder als untragbar für seine Mitwelt in der Psychiatrie endet.

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  7. „Frau Dr. Schirrmacher ist wissenschaftliche Leiterin des Instituts für Islamfragen der Deutschen Evangelischen Allianz, vertritt also christliche Interessen, die expressis verbis auch in der o.g. Publikation zu erkennen sind. Wissenschaftliche Neutralität sieht anders aus.“

    Und dieser Blogbeitrag ist wissenschaftlich/weltanschaulich neutral? Vielleicht sollte auch der Beitragsschreiber erstmal etwas von Frau Schirrmacher lesen, bevor er ihr mangelnde Wissenschaftlichkeit vorwirft, und auch eine Auseinandersetzung mit der Deutsche Evangelische Allianz wäre ratsam. Sonst wirken Sätze wie „Die Deutsche Evangelische Allianz steht nun nicht gerade für Fortschritt und Humanismus“ einfach nur albern (besonders angesichts der Tatsache, dass gerade Frau und Herr Schirrmacher unermüdlich für Menschenrechte, Religionsfreiheit, Minderheitsrechte usw. kämpfen).

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    1. @flitzeflink, intellektuelle Schmalspur, statt dem Einbringen von Argumenten ad hominems. So lesen wir auf der HP des Instituts für Islamfragen der Evangelischen Allianzen, unter der Rubrik über uns:

      Istitut für Islamfragen

      Die Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder des Instituts sind dem christlichen Menschenbild verpflichtet,[…]

      Damit sind die Präferenzen des Instituts eindeutig festgeschrieben, eben unwissenschaftlich. Aus der Sicht des großen imaginären Freundes beurteilt man die Sicht von Menschen, die eine andere Interpretation desselben imaginären Freundes bevorzugen.

      Darüber hinaus dürfte es keine Übereinstimmung in der Begrifflichkeit des Humanismus geben.

      Michael Diener, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz

      „Unsere Überzeugung ist, dass wir aufgrund des eindeutigen biblischen Zeugnisses kein Ja zu praktizierter Homosexualität sagen können.“

      „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ So lesen wir in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, den man mit der Ausgrenzung homosexueller Identitäten von christlicher Seite eben nicht folgt. Und das ist nur ein Beispiel, wo christliche Fundamentalisten Menschen auf Grund ihrer Eigenschaften ausgrenzen.

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