Warum die Linken noch mehr Trennung von Kirche und Staat wollen


Raju Sharma, Bild: wikipedia
Ein Blick ins Wahlprogramm macht deutlich: Die Linken wollen das komplette System der Kooperation von Kirche und Staat abschaffen. Warum, erklärt der religionspolitische Sprecher der Partei, Raju Sharma, im domradio.de-Interview.

domradio.de

domradio.de: Wenn man Ihr Wahlprogramm liest, könnte man den Eindruck bekommen, Sie hätten etwas gegen Kirche und Religion. Stimmt der Eindruck?

Sharma: Nein, überhaupt nicht. Wir haben nichts gegen Kirchen und Religion. Wir setzen uns bloß dafür ein, dass der Staat und die Kirchen institutionell konsequent voneinander getrennt sind. Wir finden genau das wichtig, auch damit Religionsfreiheit im positiven Sinne gelebt werden kann, weil wir meinen, dass Religionsfreiheit nur dann gegeben ist, wenn sich der Staat neutral gegenüber Kirchen und Glaubensgemeinschaften verhält.

domradio.de: Es gibt ja Länder mit einer strikten Trennung von Staat und Kirche, Frankreich zum Beispiel. Gibt es da Vorteile gegenüber dem deutschen System?

Sharma: In vielfältiger Weise. Frankreich kennt ja auch nicht das System der Kirchensteuer. Die steht zwar nicht im Mittelpunkt unserer Forderungen, aber wir finden es in gewisser Weise inkonsequent, wenn der Staat für die Kirchen die Mitgliedsbeiträge eintreibt. Das macht er ja auch nicht für Vereine, politische Parteien oder Gewerkschaften. Das ist einfach ein Bruch mit dem Anspruch des Grundgesetzes, nach dem Kirche und Staat voneinander getrennt sind. Man muss es nicht genauso machen wie in Frankreich, aber Ansätze davon sind durchaus wünschenswert.

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2 Comments

  1. Das ist ja von Raju Sharma gut gemeint. Da es sich die Deutschen aber, bedingt durch die Epoche 1933-1945, nicht leisten können gegen religiotisch-dominierte Mächte aufzumucken, wird sich an dem derzeitigen System, wahrscheinlich so schnell, leider nichts ändern.

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  2. Wenigstens die Partei die „Linken“ scheint für die Säkularisierung unseres Staates einzuteten; eine Forderung der Weimarer Verfassung von 1919 und des Grundgesetzes, der sich der Bundestag -wegen der mächtigen Kichenlobby- seit 1949 entzieht. 😉

    Wie der Vergleich mit Frankreich zeigt, wäre eine Säkularisierung sogar ein Kinderschutzprogramm, weil die Macht der katholischen Kirche und damit der „Spielraum“ für Missbrauch eingedämmt würde. 😉

    Frankreich ist seit 1905 säkular. Der französische Staat steckt seit Anfang des 20. Jahrhunderts eben nicht mehr mit der katholischen Kirche unter einer Decke. Sogar der ehemalige Primas der Katholischen Kirche Frankreichs, Kardinal Jean-Marie Lustiger war dann doch der Meinung, dieser Abstand von Kirchen und säkularem Staat, stifte Religionsfrieden. 😉

    Wenn man z.B. den Kindsmissbrauch in der Kirche Frankreichs mit unserer Missbrauchs“Liturgie“ vergleicht, fällt die fast moderate Häufigkeit des Missbrauchs dort im Vergleich zu Deutschland auf, wo dies in den Bistümern und Orden ja ein Massenphänomen zu sein scheint. 😉

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch_in_der_römisch-katholischen_Kirche#Frankreich

    http://de.wikipedia.org/wiki/Sexueller_Missbrauch_in_der_römisch-katholischen_Kirche#.C3.9Cbersicht_der_bekannt_gewordenen_F.C3.A4lle_nach_Bist.C3.BCmern_geordnet

    Der französische Staat hatte eben frühzeitig rigorose Kinderschutzgesetze erlassen, auch wenn sie dem Vatikan nicht gefielen. Das Vertuschen von Kindsmissbrauch wird in Frankreich – anders als bei uns- eben schwer bestraft; auch das Beichtgeheimnis kann dort nicht -wie bei uns- als Ausrede dienen, wie sogar Bischöfe feststellen mussten. 😉

    Allein diese rigorosen französischen Kinderschutzgesetze würden den Kindsmissbrauch bei uns wahrscheinlich reduzieren; aber gegen die Macht der katholischen Kirche bei uns -auf Basis eines „teuflischen“ Paktes Adolf Hitler’s aus 1933 mit dem Vatikan- ist dies bei uns nicht umzusetzen. 😉

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