Von religiös extremen Bruderschaften – Muslim Bruderschaft


muslimbrotherhoodMohammed Mursi soll wieder in Amt und Würden, so eine der Forderungen der Muslimbruderschaft und ihrer Anhänger. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Kirchen werden angezündet, Polizisten erschlagen, säkulare, liberale Ägypter werden erschossen. Geschäfte geplündert und Andersgläubige ermordet. Trotz alle dem besitzen die Muslim-Brüder die Sympathie und das Wohlwollen des deutschen Außenministers. Amerikanische Politiker und westliche Medien warnen vor einem Vorgehen der Armee und Polizei gegen die Muslimbrüder. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek will die Bruderschaft gar als „politische Frischlinge“ verstanden wissen. Was sie eindeutig nicht sind.

1928 durch Hassan al-Banna gegründet formulierte selbiger was die Bruderschaft ist:

„…die Salafiyya ist die Botschaft, die Sunna der Weg und die Sufis sind die Wahrheit. Die Bruderschaft ist eine politische Organisation, eine kulturelle Gewerkschaft, Bildung, eine wirtschaftliche Körperschaft und eine soziale Idee.1

1932 ging Banna nach Kairo und installierte die Bruderschaft in der Hauptstadt des ägyptischen Königsreiches. Verbündete im Palast des Königs, bei der nationalistischen Wafd-Partei, konservativ-reaktionären Offizieren der Armee sicherten den politischen Einfluss Bannas. Jugendklubs, Sportvereine wurden durch die Bruderschaft gegründet, respektive vertraglich an sie gebunden. 1936 formierten sich die ersten paramilitärischen Vereine der Bruderschaft, genannt die Rovers(später war die Selbstbezeichnung Battalions). Ihr Vorhandensein in Ägypten war einzigartig, bedrohlich, diszipliniert und Hassan al-Banna vollkommen treu ergeben. Die Verbrecher der Bruderschaft sicherten nun die Zeremonien des königlichen Hofes von Farouk. Banna entwickelte starke Beziehungen zu Politikern, Vertretern der Wirtschaft. Premierminister  Ali Mahir und der Oberkommandierende General der ägyptischen Armee Azis Ali Misri standen in engem Kontakt zu Banna. Die Bruderschaft wandte sich gegen die Wafd-Partei und stellte eine politisch einflussreiche, religiös machtvolle Gegenkraft zum Nationalismus der Wafd-Partei dar.

Während des Zweiten Weltkrieges etablierte die Bruderschaft ihren eigenen Geheimdienst. Mit ihm agierte die Bruderschaft in einer Art politischer Unterwelt. Banna selbst, intim mit Königen und Generalen, ließ Spionage und Attentate von seinen Gefolgsleuten planen und realisieren.

Mit dem Geheimdienst ließen die Muslimbrüder die Gewalt, den Staatsterrorismus, von der Kette. Gewerkschafter, Kommunisten, Politiker bis hin zum Vizeminister, Polizeioffiziere und Angehörige der Armee wurden verfolgt und schließlich ermordet. Jüdische Geschäftsleute wurden bedroht, ausgeraubt und die Grundlagen jedweder Geschäftstätigkeit entzogen. Die Kommunistische Partei wurde infiltriert und letztlich eliminiert.

Solange sich die Gewalt der Bruderschaft gegen die Feinde des Königs und der britischen Kolonialmacht richteten, gingen die Muslimbrüder straffrei aus. Immer dann, wenn sie diese Linie überschritten, wurden sie zeitweilig verboten, agierten im politischen Untergrund der Illegalität. Der Joker der Bruderschaft war die politische Unterstützung und vor allem das Geld, welches sie vom saudischen Königshaus und dem Wahhabi-Establishment erhielten.

Strukturell ist die Bruderschaft in Zellen oder „Familien“ organisiert, mit je 5 bis 7 Mitgliedern. Systematisch wurden die Mitglieder militärisch ausgebildet und geschult, insbesondere als Guerilla-Kämpfer. Hatten sie den entsprechenden Ausbildungsstand erreicht, waren sie als sogenannte „aktive Brüder“ qualifiziert.

Nach dem Zusammenbruch des ohnehin stagnierenden Königreiches etablierte die Bruderschaft Ismail Sidqi als Premierminister von Ägypten. Sidqi ließ die Bruderschaft öffentlich finanzieren und organisierte Ausbildungslager für die Stoß-Truppen der Muslimbrüder.

Anwar as-Sadat, der zukünftige Präsident Ägyptens war ein Schlüssel-Mitglied der Muslimbrüder. Sadat war das Bindeglied zwischen Nassers Freien Offizieren und der Bruderschaft. In seiner Autobiographie Search of Identity2 bringt Sadat einen intimen Einblick in seine Beziehungen zu Hassan al-Banna. Sadat beschreibt al-Banna als religiös tiefgreifend, mit beeindruckender(religiöser) Botschaft. Alle möglichen Gesichtspunkte analysierend bringt Sadat die exzellente Führerschaft Hassan al-Bannas zum Ausdruck.

Mit dem Beginn des Kalten Krieges wurden die Muslimbrüder ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen Nasser und Mossadegh. Mit dem Tod Nassers wurden alle Gesetze und Verordnungen, die sich gegen die Muslimbrüder richteten von Sadat aufgehoben. Die Bruderschaft breitete sich aus, Jordanien, Syrien, Saudi-Arabien. Hier kam es immer wieder zum Interessenkonflikt mit dem wahhabitischen Klerus. In der zweiten Hälfte der 60iger Jahre bauten die Muslimbrüder die Infrastruktur in Palästinenser-Gebieten aus. Man wartete ab. Die Zeit wurde genutzt um den politischen Einfluss mittels sozialer Projekte zu überbrücken.

Mit Mohammed Mursi schien die Bruderschaft ihre Geduld belohnt zu sehen. Mursi, kaum im Amt, übertrug wesentliche Vollmachten des Parlaments auf seine Person. Es wurde ein Verfassungsentwurf erarbeitet der die Rolle der Frauen deutlich verschlechtert  und die Einführung der Scharia in Ägypten ermöglicht hätte.

Der Gottesstaat, nach Vorstellung der Muslimbruderschaft, wäre in Ägypten etabliert worden.


1Richard P.Mitchell, The Society of the Muslim Brothers, London:Oxford University Press,1969, p.14.
2Anwar Sadat, Search of Identity, New York: Harper & Row, 1977, p.20ff.

1 Comment

  1. Unser Außenminister vergießt Tränen, weil Herr Mursi gestürzt wurde. Er sei rechtmäßig an die Macht gekommen. Mag sein, obwohl die Wahlgesetze nicht gerade sehr demokratisch zustande kamen und auch die Wahlen seltsam getimet waren, um die Chancen der Mursi-Bruderschaft zu maximieren. Auch wussten die Wähler aufgrund der fehlenden Verfassung nicht, welche Vollmachten ein gewählter Präsident überhaupt hat. Entscheidend jedoch ist, dass Mursi nach gewonnener Wahl systematisch demokratische und rechtsstaatliche Strukturen abbaute. Das und die katastrophale Wirtschaftspolitik, die Mursi zu verantworten hat, führten wohl zum Eingreifen des Militärs, die ihrerseits wiederum auch ganz erhebliche wirtschaftliche Interessen haben.

    Hitler kam ebenfalls durch Wahlen ziemlich legal an die Macht. Danach setzte der systematische Abbau von Demokratie und Rechtsstaat ein. Hätte es damals eine militärische Führung mit Weitsicht und Moral gegeben – was ich den ägyptischen Militärs nicht unbedingt unterstellen will – und hätte diese Hitler gestürzt, wäre der Menschheit eine Katastrophe bisher ungekannten Ausmaßes erspart geblieben. Herr Westerwelle hätte eine solche Entmachtung – hätte er damals Verantwortung getragen – vehement verurteilt, schließlich – so würde er argumentieren – sei Herr Hitler legal an die Macht gekommen.

    Der wahre Grund für das Herumgeeierei und die m.E. z.T. absurden Ansichten des Herrn Westerwelle in Bezug auf die muslimisch geprägten Staaten dürfte die FDP-Mitgliedschaft des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sein. Über den Zentralrat der Muslime schreibt Wikipedia:

    Diese Organisation vertritt, anders als ihr Name suggeriert, nur eine Minderheit der Muslime in Deutschland, ist aber der ethnisch vielfältigste Verband von Muslimen in Deutschland. Er wird von Mitgliedsverbänden dominiert, die der Muslimbruderschaft angehören, die im Verfassungsschutzbericht in die Kategorie «Sicherheitsgefährdende und extremistische Bestrebungen von Ausländern» fallen und als «islamistisch» eingestuft werden, sowie als «Keimzelle zahlreicher auch militanter islamistischer Organisationen».

    Ich denke das und vor allem obiger Beitrag erklären Einiges. Hinzu kommt mein Verdacht, dass nicht wenige unserer kirchenergebenen Politiker sich von der Etablierung eines streng muslimisch orientierten arabischen Staates ganz allgemein eine Aufwertung der Religion erhoffen, die dann auch ihre kräftigende Rückwirkung auf die Rolle der Kirchen bei uns haben würde.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.