Braune Esoterik: Wo die Nazis ihren heiligen Germanen huldigten


Soldaten der Wehrmacht 1939 vor dem Kreuzabnahmerelief an den Externsteinen. Foto: Josef Gierse
Auf der Suche nach Beweisen für eine germanische Hochkultur wurden die Nazis bei den Externsteinen bei Detmold fündig. Wie es zu dem braunen „Heiligtum“ kam, zeigt eine Ausstellung in Paderborn.

Von Florian StarkDIE WELT

Als sich die Nationalsozialisten 1933 daranmachten, die Weltgeschichte, wie ihr Chefideologe Alfred Rosenberg in aller Bescheidenheit deklamierte, neu zu schreiben, nahmen sie sich auch der Person Karls des Großen an. Mit ihm, so Rosenberg, habe das Christentum die Chance bekommen, seine mittelmeerischen Fesseln abzustreifen. Aber der wahre Held der Geschichte sei doch sein Gegner gewesen, der Sachsenherzog Widukind. Er habe damals der christlichen Religion widerstanden, die es jetzt – nach der „nationalen Revolution“ – erneut auszutreiben gelte.

Umgehend wurde der Sachsenführer in die hehre Trias der entscheidenden Gestalten deutscher Vergangenheit und Gegenwart aufgenommen: als Kämpfer für Blut und Boden stand er neben dem Cherusker Hermann, der das Land gegen die Römer verteidigt hatte, und Adolf Hitler, der beider Werk in Zukunft fortsetzen werde. Bei der Durchsetzung dieses abenteuerlichen Konstrukts fand Rosenberg willige Gehilfen: Archäologen oder zumindest solche, die sich dafür hielten.

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2 Comments

  1. Alfred Rosenberg vertrat hinsichtlich des Herzogs Widukind eine Sichtweise der Geschichte, die aber nicht unumsrtritten war. Über die Sagengestalt des Herzogs Widukind, der wie schon in Luther nun auch in Adolf Hitler wiedergeboren sein sollte, gibt es zahlreiche Sagen. Er ist eine der sagenfreudigsten Gestalten Norddeutschlands. Doch hatte Widukind nicht die Bedeutung, die ihm fälschlicherweise angedichtet wird. Er war schon vor den Nationalsozialisten der Verteidiger des Vaterlandes und Streiter gegen den römischen Glauben der Franken. Wer mehr über Widukind wissen möchte, der befasse sich mit Widukind – Sagen und Erzählungen Berlin 2013.

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