Garnisonskirche Potsdam: Der deutsche Yasukuni-Schrein


Bild: bundesarchiv
Wie können sich Mehrheiten vor (einfluss)reichen Minderheiten schützen?

Von Wolfram Meyerhöfer NachDenkSeiten

Die 100-Millionen-Kopie der Potsdamer Garnisonkirche soll plötzlich aus Bundesmitteln „mit“finanziert werden.
Architektur ist immer politisch: Jedes Bauwerk deutet einen Raum. Jeder, der vorbeikommt, ist dieser Deutung ausgesetzt. Ein Bauwerk kann aus einem Stadtraum eine optische Kloake machen oder einen Rosenhain.
Wird ein Bauwerk mit öffentlichen Geldern gebaut, dann tritt zum ästhetischen Diskurs der merkantile hinzu.
Und wenn ein Gebäude nachgebaut werden soll, dessen Symbolgehalt so massiv war, dass Hitler und Hindenburg sich gerade in diesem Gebäude 1933 öffentlich verbrüdern wollten, dann tritt ins öffentliche Bewusstsein, dass jedes Bauwerk auch eine Deutung der Geschichte eines Ortes ist.
Als Walter Ulbricht die Ruine der Garnisonkirche in Potsdam 1968 sprengen ließ, erbrachte er einen geradezu exemplarisch „barbarischen“ Akt, wenn Barbarei die Zerstörung der religiösen Symbole des Gegners ist. Die Religionen Christentum, Militarismus, Nationalismus und Nationalsozialismus hatten sich in Potsdam einzigartig amalgamiert. Dass diese Religionen sich nun zusammenschließen, um ihr gemeinsames Symbol wiederzubekommen, führt zu aufschlussreichen Verwerfungen – denn alle haben sich verändert und passen in gewisser Weise nicht mehr recht zusammen.

Bundes-CDU stellt Potsdamer Bürger kalt

Es gibt zur Garnisonkirche seit langem einen intensiven Diskurs in der Potsdamer Bürgerschaft. In diesem Diskurs zeigt sich, dass es nur eine – gleichwohl reiche bzw. einflussreiche – Minderheit ist, die den Nachbau der Kirche möchte. Beispielhaft ist da zum einen der alte reiche Westdeutsche, dessen Oma (oft eine Hofschranze) immer vom alten Potsdam geschwärmt hat. Er zog nach der Wende nach Potsdam, „weil es hier noch so viele Möglichkeiten gibt“. Zum anderen ist es aber auch die evangelische Funktionärselite, die es nach der Wende verstanden hat, sich als einzig saubere und gleichzeitig kompetente Ost-Gruppierung an zentralen Schaltstellen zu positionieren.

weiterlesen