Soziologe Detlef Pollack: „Ein Ende der Kirche ist nicht in Sicht“


Weniger frequentiert, aber in ihrer Praxis grundsätzlich für erhaltenswert befunden: die christlichen Kirchen in Deutschland. Bild: dpa
Das Interesse an alternativen Religionsformen wächst. Wirklich praktiziert werden sie aber kaum, sagt der Soziologe Detlef Pollack.

Lennart Giessingtaz

taz: Herr Pollack, verschiebt sich der Glaubenstrend in Deutschland?

Detlef Pollack: Der Trend verschiebt sich ständig, allerdings nur sehr langsam. Wenn man einen längeren Zeitraum in Augenschein nimmt, sagen wir die letzten 40 Jahre, kann man die Veränderungen erkennen: Die Bedeutung von Transzendenz-Vorstellungen, der Glaube an Gott, an Himmel und Hölle geht leicht zurück. Aber es gibt auch gegenläufige Entwicklungen. Wenn es um Spiritualität, Reinkarnationsglauben oder Esoterik, also um alternativ religiöse Vorstellungen geht, ist die Tendenz leicht steigend. Man darf das Ausmaß der Gegenbewegungen nicht übertreiben, aber sie lassen sich empirisch beobachten.

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2 Comments

  1. Es ist ganz sicher nicht zu wünschen, dass die Kirchen vollkommen verschwinden. Wir brauchen sie unbedingt als abschreckendes Beispiel und als Beleg dafür, zu welchen Grausamkeiten und Gemeinheiten Menschen in Namen eines fiktiven Zombie im Himmel fähig sind.

    Ohne Reste der Amtskirchen, wie traurig sie sein mögen und was immer sie auch kosten, tritt spätestens in einigen Jahren die Synode des Weltidiotenbundes auf den Plan, die behauptet die Kirchen hätten Großartiges besonders in Wissenschaft, Fortschritt und Sozialem geleistet, sie müssten unbedingt wieder mit allen Privilegien eingeführt werden. Gut 25% der Menschen einschließlich der etwa 9% Analphabeten und NPD Wähler sind blöd genug so ein Vorhaben zu unterstützen

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  2. Es hat sich doch schon viel verändert. Von einer blinden, dogmatischen Frömmigkeit zu einem Brights-Bewußtsein braucht es schon seine Zeit. Da sollte man auch nicht verzagen, wenn der Weg über eine undogmatische Patchwork-Esoterik führt.

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