Haredim: Das Leben der Gottesfürchtigen


Orthodoxe Juden in Jerusalem (Bild: picture alliance / dpa)
Der Alltag ultraorthodoxer Juden hat in der deutschen Kultur- und Medienlandschaft derzeit Konjunktur: Eine Gruppe israelischer Filmemacher zeigt in einer Trilogie die Widersprüche im keineswegs monolithischen Haredim-Milieu.

Von Andreas MainDeutschlandfunk

Eine Szene aus dem Spielfilm „An ihrer Stelle“. Er spielt im ultraorthodoxen Milieu von Tel Aviv. Regisseurin ist Rama Burshtein. Sie ist selbst ultraorthodox, trägt ihr Haar bedeckt. Der Film war weltweit ein Erfolg, sowohl an den Kinokassen als auch bei der Kritik. Bursteins Film erhielt verschiedene Preise. In Deutschland lief er in diesem Sommer im Kino, in einigen Großstädten ist er noch immer zu sehen.

Schon im Frühjahr hatte das deutsche Fernsehen einen großen Dokumentarfilm über eine deutschstämmige Jüdin gesendet, die nach Jerusalem gezogen war, um mit ihrer Familie das Leben der Haredim zu führen, der Gottesfürchtigen, wie sich Ultraorthodoxe selbst nennen.

Mit dieser geheimnisvollen Welt hat sich Itai Ken-Tor beschäftigt – in stolzer 270-Minuten-Film-Länge. Seine Trilogie trägt den Titel „Haredim“.

„Die gesamte Trilogie hat einen Zweck: die Kontroversen in der orthodoxen Welt herauszuarbeiten. Es gibt dort heftige Debatten – etwa zur Frage: Sollen wir die Mauern noch höher ziehen, uns noch stärker vom Staat Israel distanzieren und alles Moderne meiden? Also, leben wie in einer Enklave, wie im Ghetto? Andere sagen: Wir sollten uns nicht zu sehr abschotten. Sonst gerät die junge Generation in Versuchung, ihr Glück draußen zu suchen. Die jungen Leute müssen sehen, ja, wir haben Internet, aber eines, das zu uns passt. Quasi ein koscheres Internet. Ja, wir sind Teil der Moderne, aber wir passen sie uns an.“

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