Pussy Riots Punk-Gebet: Die Parallele zu den Sex Pistols


Mitglieder der Künstlerinnen-Gruppe Pussy Riot (Bild: Sergey Ponomarev/AP/dapd)
Der Religionswissenschaftler Joachim Willems hat ein sehr reflektiertes Buch über den Fall Pussy Riot geschrieben. Seine Sympathie für die Künstlerinnen macht er deutlich – kritische Sympathie, die er ebenso für die orthodoxe Kirche aufbringt. Sehr erhellend ist zudem die Parallele, die er zwischen Pussy Riot und den Sex Pistols zieht.

Von Uli HufenDeutschlandfunk

Noch ein paar Monate, dann werden Nadezhda Tolokonnikowa und Marija Aljochina wieder frei sein. Im März 2014 ist es zwei Jahre und zwei Wochen her, seit Tolokonnikowa, Aljochina und zwei andere, unbekannte junge Frauen in neonbunten Sturmmasken, Kleidern und Strumpfhosen vor der Ikonenwand in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau ihren inzwischen weltberühmten Punk-Bittgesang aufführten. Wobei nur schwer zu rekonstruieren ist, was genau in der Kathedrale zur Aufführung kam und was später am Schneidetisch hinzugemischt wurde. Klar ist nur eins: Das Video der Performance reihte allerlei unflätige Beschimpfungen gegen Staat und Kirche aneinander und gipfelte in der Bitte, die Gottesmutter Maria möge doch bitte Vladimir Putin verjagen. Maria hatte kein Einsehen, aber Putin war beleidigt. Nach landläufiger Einschätzung sitzen Pussy Riot genau deshalb im Gefängnis.

Dass es mit den landläufigen Einschätzungen im Fall Pussy Riot nicht allzu weit her ist, zeigt der Berliner Religionswissenschaftler Joachim Willems jetzt in seinem vorbildlichen Buch „Pussy Riots Punk-Gebet“. Wobei der Untertitel des Buches entscheidend ist: Er lautet nicht: „Putins böses Regime und seine Handlanger aus der orthodoxen Kirche“, sondern: „Religion, Recht und Politik in Russland.“

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