Joachim Gauck: Dodo des Monats August 2013


Dodo des Monat August 2013
Dodo des Monat August 2013

Joachim_GauckWir sind eigentlich arm dran, das Amt des Bundespräsidenten, ohnehin ein feudales Relikt der obrigkeitsgläubigen Deutschen, besetzt mit einem Pfarrer. Die Bundeskanzlerin eine Pastorentochter. Derartige Strukturen im Iran und der Westen würde klar und deutlich von einem Gottesstaat sprechen. Schaut man sich das Video, zur Ausstellungseröffnung über die Christianisierung Europas an fällt auf, dass  Spitzenpolitiker wie die Fliegen um die Schwarzröcke der Pfaffen schwirren.

Bevor ich zum Thema Gauck komme ein Zitat von Erich Kästner:

„Die über Nacht sich umgestellt, die sich zu jedem Staat bekennen, das sind die Praktiker der Welt, du kannst sie ruhig auch – Lumpen nennen.“

Pastor Gauck steht für sich, eitel verkündet er die Freude über die Christianisierung Europas, betont die gemeinsamen Werte und die Achtung vor der Schöpfung. Hat was, ist fast so dämlich wie die Äußerung vom 16.ten Benny, dass das Christentum die indigenen Völker Südamerikas gereinigt habe. Er nennt die Franken, die Iren, das Baltikum und die Polen und natürlich das alte römische Reich als christliche Erfolgsgeschichte. Die Mitte Deutschlands spart er ganz schnell aus, die Christianisierung der Sachsen zum Beispiel. 30 Jahre Krieg Karls des Großen gegen die Sachsen, nur zum Zwecke der Christianisierung. Und so wurde das Christentum verbreitet, mit dem Schwert, anderer Glaube war Heidentum, Ketzerei. Nicht die Jünger Jesu zogen mit Gesang, Klimbim und schönen Gaben durch Europa um den Christengott zu lobpreisen, es waren die Krieger und angesichts des christlichen Gemetzels ließen sich die Überlebenden taufen. Das Christentum ist eine Religion der Gewalt und die Liebe Gottes heißt nichts anderes als Gehorsam. Ob nun bei den Kreuzzügen in Frankreich, im heiligen Land, beim Kampf Christ gegen Christ oder gegen die Muslime, Gewalt war das bestimmende Element der Christianisierung in Europa.

König Heinrich IV. Gang nach Canossa erachtet Pfarrer Gauck als wichtig für das Verhältnis von Staat(weltlich) und Religion(göttlich). Da lässt er die Katze aus dem Sack, die weltliche Macht im Büßerhemd, Kniefall vor der römischen Spukgestalt. Die weltliche Macht erlangt durch die Gnade Gottes ihre Handlungsfreiheit wieder.
Höchst bedauerlich, dass die Franzosen in ihrer Revolution, nur den Adel des Landes guillotinierten und nicht gleich noch den verfügbaren Klerus an den Schöpfer schickten. Göttlicher Widerspruch wäre den französischen Revolutionären ein hinreichender Grund für weiteren Verzicht gewesen.

Dann spricht Gauck über die Würde des Menschen, welche durch das Christentum als normatives Verständnis, in Europa, Einzug hielt. Die Idee der Menschenwürde ist keine genuine Schöpfung christlicher Theologie, wir finden sie in der Antike, lange bevor überhaupt an das Christentum zu denken war.
Tatsache ist, dass es sich beim Begriff der Menschenwürde, der dignatis hominis, um eine Begriffsprägung Ciceros handelt(der wiederum lange vor Christus ermordet wurde).

Erinnert sei hier an den Artikel 1 der berühmten französischen Menschenrechtserklärung von 1789. Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es.

Alle sind gleich, so die katholische und nicht vergessend die evangelische Kirche. Was sie nicht daran hinderte, über Jahrhunderte zwischen Christen, Häretikern, Nichtchristen, Männern und Frauen zu unterscheiden. Das hatte Folgen, bis heute.
Mit Augustin, einem der einflussreichsten lateinischen Kirchenväter wird die Menschenwürde ein unstimmiges, widersprüchliches Konstrukt, schreibt er doch in seinem epochalem Werk über den Gottesstaat, dass der ausgezeichnete Mensch seine Würde durch Sündenfall und Erbsünde verloren habe.

Also christliche Bullshistic, Religiotie, Janusköpfigkeit bis zum geht nicht mehr. Beim Politprofi Joachim Gauck in exzellenter Weise ausgeprägt.

Der Bundespräsident ist ein SuperGAUck. Zum Abschluß noch ein Zitat von Erich Kästner:

Die Dummheiten wechseln, die Dummheit bleibt.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

3 Comments

  1. @Uwe Lehnert
    Zu der sehr guten Darstellung wäre noch zu ergänzen, dass die Klosterschulen keine Schulen waren um Bildung zu vermitteln, sondern handwerkliche Schreibstuben mit der Funktion einer heutigen Kopiermaschine, die bei der Menge nur die Zahl 1 erlaubt.
    ————
    Die Städte sind Träger der ersten Pfarrschulen, mangels finanzieller Mittel müssen die Lehrer zeitweilig im Armenhaus wohnen und genießen kein soziales Ansehen. Von einem Schulwesen im heutigen Sinn ist nicht zu reden, geht es damals nur darum Bibeltexte auswendig zu lernen vergleichbar mit der Gehirnwäsche heutiger islamischer Koranschulen und Konfessionsschulen.
    ————–

    Die erste richtige Schule nach unserem Verständnis zur Vermittlung von Bildung errichte ein Holländer der Hanse in Elbing, das war um 1540. Die Kaufleute brauchten Menschen die Rechnen und Schreiben können. Die allgemeine Schulpflicht wurde in Preußen 1717 eingeführt, dann nur im Winter wenn die Kinder nicht auf dem Feld arbbeiten müssen.

    Klicke, um auf Chronik-Preussen.pdf zuzugreifen

    Nach Aussage des „Alten Fritz“ müssen seine Kerls (Soldaten) gehorchen, marschieren und schießen können, auf gar keinen Fall sollen sie selbstständig denken.

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  2. Vom Mittelalter zur Neuzeit

    „Der Sparer erzeugt mehr Ware, als er selbst kauft, und der Überschuss wird von den Unternehmern mit dem Geld der Sparkassen gekauft und zu neuen Realkapitalien verarbeitet. Aber die Sparer geben das Geld nicht her ohne Zins, und die Unternehmer können keinen Zins bezahlen, wenn das, was sie bauen, nicht wenigstens den gleichen Zins einbringt, den die Sparer fordern. Wird aber eine Zeitlang an der Vermehrung der Häuser, Werkstätten, Schiffe usw. gearbeitet, so fällt naturgemäß der Zins dieser Dinge. Dann können die Unternehmer den von den Sparern geforderten Zins nicht zahlen. Das Geld bleibt in den Sparkassen liegen, und da gerade mit diesem Geld die Warenüberschüsse der Sparer gekauft werden, so fehlt für diese jetzt der Absatz, und die Preise gehen zurück. Die Krise ist da.“

    Silvio Gesell (Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld, 1916)

    Was hier beschrieben wird, ist genau das, was 20 Jahre später der „Jahrhundertökonom“ John Maynard Keynes in seiner „Allgemeinen Theorie“ als „Liquiditätsfalle“ bezeichnete. Ein Phänomen, das sich zwangsläufig aus der Verwendung von hortbarem Geld (Zinsgeld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion) ergibt, und das bisher alle Hochkulturen und Weltreiche in der Geschichte der halbwegs zivilisierten Menschheit zerstörte:

    Klicke, um auf untergang.pdf zuzugreifen

    Um bei der weiteren Verwendung von Zinsgeld aus der Liquiditätsfalle herauszukommen, kann nur ein Krieg mit anschließender Währungsreform (eine „Währungsreform“ ohne vorhergehende Sachkapitalzerstörung führt nicht aus der Krise) den Zinsfuß anheben, damit wieder neues Zinsgeld in neue Sachkapitalien investiert werden kann. Darum ist in einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) der Krieg der „Vater aller Dinge“.

    Der 2. Weltkrieg tötete etwa 55 Millionen Menschen, was im Vergleich zur damaligen Weltbevölkerung noch nicht einer Dezimierung entsprach,…

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dezimation

    …die – bzw. die Angst davor – wohl mindestens erforderlich ist, um kollektive Verdummung durch Vernunft zu ersetzen, denn das ökonomische Wissen, das den Krieg verhindert hätte, war schon 1916 vorhanden. Doch die „hohe Politik“, die im zivilisatorischen Mittelalter stets an der Spitze der Verdummung steht, hat die Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) bis heute nicht begriffen.

    Anstatt dem Geld seine Hortbarkeit zu nehmen und damit allgemeinen Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, eine saubere Umwelt und den Weltfrieden zu verwirklichen, betreibt die politische Seifenoper das von J. M. Keynes vorgeschlagene „deficit spending“ (Erhöhung der Staatsverschuldung und Geldmengenausweitung), um das Elend hinauszuzögern. Denn schließlich konnte der Krieg nur solange der Vater aller Dinge sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

    Wo liegt das Problem? Der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation setzt die Überwindung der Religion voraus:

    Jüngstes Gericht

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  3. Der Dodo für BP Gauck hat mich im ersten Moment überrascht. Dass diese »Auszeichnung« gut begründet ist, wurde mir aber schnell wieder durch obigen Beitrag bewusst. Ich möchte ergänzen:

    Auf die Christianisierung Europas könnte die Kirche stolz sein, wenn sich die christliche Lehre im Wettkampf der Religionen und Weltanschauungen auf rein geistige und philosophisch-theologische Weise durchgesetzt hätte. Tatsächlich hat sie sich in erster Linie gewaltsamer und denkbar brutalster Methoden bedient und hat sich durch Kreuzzüge, Ketzerverfolgung, Inquisitionsgerichte, »Hexen«verbrennungen, schonungslose Missionierung Andersdenkender, auch durch die gnadenlose Verfolgung der jüdischen Religion als geistige und geistliche Alleinherrscherin etabliert. Die bereits im Römerreich schon eingeführte allgemeine Schulbildung, die immerhin breiteren Schichten das Lesen und Schreiben vermittelte, wurde etwa ab dem vierten nachchristlichen Jahrhundert radikal abgeschafft, es gab lediglich Klosterschulen, die aber fast nur theologisches Wissen vermittelten. Bis zum vierten Jahrhundert verfügte Rom beispielsweise über 28 öffentliche Bibliotheken mit Hundertausenden Büchern und Schriftrollen. Mit der Christianisierung wurde dieses alles innerhalb eines Jahrhunderts planmäßig vernichtet. Wie sollte sich da eine weltanschauliche Alternative bei einer des Lesens und Schreibens unkundig gemachten Gesellschaft entwickeln? (Selbst der Christ Karl der Große konnte noch nicht einmal mehr seinen Namen schreiben!)

    Wie mühsam und lebensgefährlich die zaghaften ersten Schritte jener mutigen Menschen waren, die heute mit dem Begriff Aufklärung verbunden werden, ist allgemein bekannt. Wobei diese Aufklärer sich überwiegend noch im Rahmen der christlichen Lehre bewegten, bewegen mussten, und lediglich die unglaublich inhumanen Auswüchse kritisierten, deren sich die Kirche schuldig gemacht hatte. Worin also soll die so gerühmte Leistung der sog. Christianisierung bestehen? In der geistlichen Ausrichtung durch die Lehre, in der Entwicklung gar der Menschenrechte, im baulichen und sonstigem kulturellen Schaffen? Dass höchst beeindruckende kulturelle Werke in der Architektur, in der Malerei, in der bildenden Kunst, in der Musik entstanden sind, wovon diese Ausstellung kündet, ist unbestritten. Aber wer weiß denn, was einer anderen Religion oder einer humanistischen Weltanschauung gelungen wäre, wenn sie denn wenigstens den Hauch einer Entwicklungschance gehabt hätte? Wenn nicht die schon bestehenden philosophischen und humanistischen Ansätze der Perser, der Griechen, der Römer in Richtung erster Überlegungen zu den Menschenrechten durch die angeblich einzig wahre, weil direkt von Gott kommende Lehre selbstherrlich weggewischt worden wären? Wie in obigem Beitrag schon angedeutet, setzten sich antike Denker bereits mit der Würde des Menschen auseinander und mit der Frage nach dem Wert des Einzelnen in einer sozialen Gemeinschaft.

    So gesehen war die Christianisierung ein gewaltiger kultureller Rückschritt, auch wenn dieser Feststellung von christlicher Seite energisch widersprochen werden wird. Aber was kann man denn anderes denken und meinen, wenn man über Jahrhunderte und Jahrzehnte durch Schule, Studium und Bücher so einseitig informiert wurde?

    Dass man obige Sicht sehr gut mit geschichtlichen Fakten und der Einschätzung anderer renommierter Historiker belegen kann, das kann man z.B. nachlesen bei

    Rolf Bergmeier: Schatten über Europa – Der Untergang der antiken Kultur. In diesem gut lesbaren Geschichtsbuch legt der Autor überzeugend dar, dass die Einführung des Christentums im 4. nachchristlichen Jahrhundert (Kaiser Theodosius I. erklärte die christliche Religion zur Staatsreligion) einen kulturhistorischen Rückschritt ersten Ranges einleitete, der viele Jahrhunderte andauerte. Anders als es uns in der Schule vermittelt wurde und anders als es uns die Paderborner Ausstellung einhämmern möchte, war die Kirche eben kein »Bildungsträger«, im Gegenteil, sie zerstörte systematisch alle antike Literatur, brannte die öffentlichen Biblotheken (u.a. auch in Alexandria!) nieder, schaffte ein schon bestehendes Bildungswesen radikal ab und lehrte in den Klosterschulen im Wesentlichen nur noch theologisches, also erdachtes Wissen. Das änderte sich erst ganz langsam im Zuge der Neuzeit ab dem 15. und 16. Jahrhundert.

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