Ende der Subjektivität: Der Robotismus als soziale Krankheit


Aus Mensch wird Maschine: Robert Downey Jr. in „Iron Man“. ©AP
Wieso haben Hirnforscher solch eine Angst vor der Subjektivität? Weil sie in uns nur noch Hunde mit einem iPhone sehen. Ein Plädoyer für einen neuen Humanismus.

Von David GelernterFrankfurter Allgemeine

Eine intellektuelle Krise naht. Wissenschaft und Philosophie des Geistes bedrohen die westliche Kultur mit dem genauen Gegenteil eines Humanismus. Nennen wir es Robotismus. „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“, sagte einst Protagoras. Heute fügen wir hinzu: „Und Computer sind das Maß aller Menschen.“

Die Wissenschaft hat immer weniger Raum für den einzelnen Menschen und dessen subjektive Perspektive. Aber wir vermögen die Welt nur aus unserem eigenen Geist heraus zu sehen. Wir sehen eine Welt, in der es Gutes und Böses, Richtiges und Falsches, Schönes und Hässliches gibt, eine Welt moralischer Pflichten. Wir beobachten die Welt nicht nur – wir fühlen sie auch. Wir sind keine bloßen informationssammelnden Maschinen – wir sind bewusste Wesen. Unser bewusstes Erleben (obwohl nur uns selbst zugänglich) ist ebenso real wie der Baum draußen vor dem Fenster oder die Photonen, die auf Ihre Netzhaut fallen. Wenn die Wissenschaft sich mit der Realität auseinandersetzen soll und nicht nur mit einem Teil der Realität, darf sie sich nicht auf die objektive Realität beschränken, sondern muss auch die subjektive Realität einbeziehen.

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