Aiman Mazyek: Dodo des Monats September 2013


Dodo des Monats September 2013
Dodo des Monats September 2013

Aiman_MazyekAiman Mazyek, den Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, hat es erwischt. Mein Wunschkandidat wäre ja Michael Blume gewesen, der selbsternannte „Evolutionsforscher“, der mit seinen kruden „evolutionstheoretischen“ Christenglauben jubelnd vor dem Gottessohn zu Kreuze kriecht. Aber gut, Mazyek, mit seinem Wunsch den Begriff des „Islamismus“ abzuschaffen, hat mir im Nachhinein auch Freude gemacht. Beim Lesen seines Artikels auf islam.de musste ich mehrmals herzhaft lachen.

Es sind die Begrifflichkeiten mit denen Mazyek so seine Mühen hat. Wenn der Islamismus die Instrumentalisierung des Glaubens nach den Erfordernissen eines politischen Programms bedeutet, dann steht der Islamismus in nichts dem Katholizismus oder Protestantismus nach. Die politische Instrumentalisierung von Religionen ist kein Alleinstellungsmerkmal des Islam.
Historisch betrachtet war der Islamismus eine internationalistische Bewegung, die bald das Etikett „pan-islamisch“ erhielt. Wenn sie sich auch nicht gerade als weltumspannend verstanden wissen wollte, so sprach sie doch, was die Konfrontation mit den imperialistischen Mächten des Westens anbetraf, zu denen auch das Zarenreich gehörte, namens des gesamten islamischen Orients. In der Kolonialpolitik der Westmächte entstand der politisch-religiöse Wille das koloniale Joch abzuwerfen, al-Afghani legte die politischen, ideologischen und religiösen Grundlagen für den sich entwickelnden Islamismus. Al-Afghani ist der Ur-Urgroßvater von Osama Bin-Laden, nicht biologisch aber in ideologischer Begrifflichkeit. Würden wir die Entwicklung des Islamismus in biblischer Genealogie formulieren käme ungefähr folgendes heraus:
Afghani(1838-1897) zeugte Mohammed Abduh(1849-1905), einen ägyptischen pan-islamistischen Aktivisten, der die Gebote Afghanis verbreiten half. Abduh zeugte Mohammed Rashid Rida(1865-1935), ein syrischer Gefolgsmann Abduhs, der sich in Ägypten niederließ und das Magazin „The Lighthouse“ gründete. Das Magazin verbreitete u.a. die Ideen der islamischen Republik. Rashid Rida zeugte Hassan al-Banna(1906-1949). Jener gründete 1928 die Muslimbruderschaft in Ägypten.

Jetzt sollten im Oberstübchen aber einige, längst vergessene Fakten, aufdämmern. Mazyek jammert in seinem Artikel auf hohem Niveau weiter.

Aiman Mazyek

Wenn sogenannte „Islamisten“ eine Wahl gewinnen, kidnappen sie die Demokratie, wenn sogenannte „Säkularisten“ einen Militärcoup organisieren, dann sichern sie das Land. Diese Sichtweisen, obwohl diametral gegen die Werte der Demokratie gerichtet, manifestieren die Verfestigung eines berühmt berüchtigten Doppelstandards, und doch scheinen sie ohne großes Aufsehen in unserer öffentlichen Meinung und Politik einfach so durchzugehen – so geschehen zumindest nach dem Coup in Ägypten.

Natürlich war Mursi, dem Mazyek hinterher heult, demokratisch an die Macht gekommen. Der Muslimbruder bereitete aber, unter Ausnutzung des demokratischen Rechtsgefüges den islamischen Gottesstaat vor, er musste nicht putschen, sondern nur die gesetzlichen Grundlagen dafür schaffen, legal die Theokratie zu installieren. Hatten wir in Deutschland auch. A. Hitler nutzte die Möglichkeiten des Rechtsstaates um seine Diktatur zu errichten.

Dem Geheul Mazyeks, seine ahistorischen Betrachtungsweisen und seine Vorliebe für religiöse Extreme lassen den Eindruck entstehen, dass er für ebensolche Ziele steht. Wer den Muslimbrüdern politische Naivität unterstellt, dem abgesetzten Präsidenten demokratische Handlungsprinzipien zu gute hält, will die Fakten nicht sehen oder aber ignoriert sie.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland macht sich erheblich mehr Gedanken darüber, wie seine Glaubensbrüder Mursi, Erdogan usw. politisch, medial und vor allem religiös dargestellt werden. Das ist ungefähr so, als wenn der Direktor der Deutschen Bundesbank in die Arbeitsweise der Vatikanbank eingreifen wöllte.

Sicher ist, Mazyek hat keine Ahnung was Laizismus, Religionsfreiheit eigentlich bedeuten, welche Leistungen erbracht werden mussten, um allein Religionsfreiheit staatlich durchzusetzen. Diese humanitären Errungenschaften sind der areligiösen Aufklärung geschuldet, der Vatikan hat erst mit dem Zweiten Vaticanum das Prinzip der Religionsfreiheit anerkannt, 1967. Wenn man sich natürlich um die Belange seiner Glaubensgenossen in anderen Ländern kümmert, kann man sich nicht den demokratischen Prinzipien unserer Gesellschaft auseinandersetzen.

Schaffen wir den Islamismus ab, Herr Mazyek, nicht nur begrifflich sondern in aller Gänze, dann ist der Posten des Vorsitzenden des Zentralrats auch hinfällig, nichts anderes stellt er nämlich dar, der religiöse Wille strukturell und systematisch politische Macht ausüben zu wollen.  Wenn wir das geschafft haben fahren wir mit dem Katholizismus und Protestantismus fort, Glaube wird Privatsache und hat im politischen Leben keinen Rückhalt mehr.

Beim Lesen des Artikel von Aiman Mazyek ist bei mir ein Eindruck entstanden, den folgendes Zitat wohl am besten zum Ausdruck bringt:

Sayyid Abul `Ala Maududi

Das Ziel des politischen Islam ist es, die Souveränität des Volkes, wie sie sich in der parlamentarischen Gesetzgebung manifestiert, durch die »Souveränität Gottes« zu ersetzen, die in vollkommener und endgültiger Form in der Shari’a geoffenbart worden ist.

Darauf kann ich verzichten. Herr Mazyek Sie sind zwar kein Pierre Vogel, aber ein Islamist sind Sie doch.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo.

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