Gegen einen totalitären Laizismus


laiciteVor etwa 2000 Jahren passierte etwas Merkwürdiges mit der Religion. Sie wurde privatisiert. Bis dahin diente der Kultus immer dem Erhalt des Gemeinwesens, genauer: der herrschenden Ordnung. Herrschenden. Er war staatstragend und wurde vom Staat getragen.

Von Alan Posenerstarke-meinungen.de

Das Individuum war der Religion gleichgültig; ja in manchen Kulten wurde das Menschenopfer gepflegt. Es ist sicher kein Zufall, wenn das Volk, das zuerst und am deutlichsten das Menschenopfer ablehnte und dessen Propheten fast immer im Gegensatz standen zur Staatsmacht  auch jenen Mann hervorbrachte, der am klarsten den privaten Charakter der Religion betonte: den Rabbi Jesus aus Nazareth.

Seitdem dieser Mann von  Rom – der einem religiös ansonsten sehr toleranten Imperium  – hingerichtet wurde, besteht eine  Spannung zwischen Bekenntnis zur christlichen Religion und Loyalität zum Staat. Und je aufgeklärter und liberaler der Staat ist, desto deutlicher ist diese Spannung. Denn die Religion ist ihrem Wesen nach intolerant: in ihr geht es um letzte Wahrheit; der liberale Staat jedoch basiert auf der impliziten Annahme, dass keine Wahrheit absolut ist: heute regiert diese Partei, morgen jene; und was heute als Wohltat gilt, ist morgen Plage. Einzig der demokratische Prozess selber ist sakrosankt; nicht, weil er auf Wahrheit gründe, oder auf der Weisheit der Wähler,  sondern weil er den Relativismus garantiert. Die personalisierte Religion ist also – so gesehen – der natürliche Feind des Staates.

Daran ändert die Tatsache nichts, dass seit Kaiser Konstantin die Vertreter des Staates immer wieder die Unterstützung der Religion gesucht haben, und dass sich die Vertreter der Religion immer wieder den Herrschenden angedient haben.

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1 Comment

  1. Die frühe Religion war keine unabhängige Organisation für oder gegen den Staat der Zeit, diese Interpretation geht vollkommen an den Fakten vorbei. Deswegen hat auch niemand den Lattenjupp erfunden, um ihn für irgend etwa zu nutzen

    Die römische Provinz Palästina ab 4 v.C. nach dem Tod von Herodes unter einem Prokurator in Caesarea besteht aus den Landesteilen Judäa, Samaria und Idumä. Teile des Herodes Reiches wie Ituräa, Batanea, Auranitis, Trachonitis als auch Galiläa, Westbank und Peräa bilden neue andere Königreiche. Die neue römische Provinz unter König Archelaus hat etwa 63 Orte bei insgesamt 100.000 Einwohnern, das Steueraufkommen nach der Schätzung von 4 v.C. beträgt 600 Talente/Jahr, 600*27=16.200 kg Silber. Die beiden anderen obigen Regierungsbezirke bringen dem Kaiser in Rom 100 Talente/Jahr bzw. 200 Talente/Jahr ein.

    Steuereintreiber der hebräischen Regierung waren die Priester, andere Verwaltungen für diese Aufgabe gab es nicht. Die Orte hatten durchweg bis zu 2.500 Einwohner, Jerusalem hatte nur 1.000 Einwohner, Caesarea war mit bis zu 8.000 deutlich größer. Schon in der Religion ist die Steuerpflicht an die Priester begründet. Archelaus war eine Null und wurde bereits nach nur 10 Jahren nach Vienne/Gallien verbannt. Wahrscheinlich hat er nicht genug und pünklich die Steuern abgeliefert. Sein Nachfolger war der verschuldete Playboy Agrippa I, der 32 n.C. den Lattenjupp verurteilt haben soll und dafür im Bibelmärchen nicht einmal vorkommt. Das gleiche Problem hatten schon hebräische Vasallen des Pharao bzw. der Assyrer 600 Jahre früher. Vasallen-Könige die ihre Tribute nicht ablieferten, waren nach nur 3 Monaten nicht mehr im Amt

    Bei derart historischen Nachlässigkeiten ist die obige schöne Theorie Schall und Rauch. Rom hat durch seinen Kaiser keine aufwendige Regierung in Palästina per Prokurator betrieben nur weil es am Mittelmeer so schön war und das Meer rauschte. Rom hat in Caesarea 2 Legionen auf Dauer stationiert und Bauten wie Prokurator-Palast, Hippodrom, Theater mit 4000 Plätzen, Aquaduct, Bäder usw. errichtet, es mußte sich rechnen. Den Ausbau der Regierungszentrale in Caesarea hat bereits König Herodes um 20 v.C. begonnen

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