Der katholische Ereignishorizont in Deutschland


Bild: tilly
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Vor Monaten war sie in den Medien. Die Vatikanbank, mit dem Namen „Institut für religiöse Werke.“ Schwarzgeldkonten, Geldwäsche, mafiöse Strukturen, Verbindungen zur italienischen Mafia, Korruption, Steuerhinterziehung waren die Buzz-Words in den Medien. 1000 illegale Konten mit etwa 300 Millionen Euro, erfahren wir als letzte Neuigkeit. Man bemüht sich um Transparenz, erstellt sogar etwas wie eine Bilanz, eine Milchmädchen-Rechnung, aber immerhin, das Bemühen ist erkennbar. Abzuwarten bleibt, wie weit das Bemühen geht.

Den Blick nach Deutschland gerichtet erkennt man sehr schnell das System katholischer Finanzen. Gegen die katholische Kirche Deutschlands ist die Vatikanbank ein kleiner Scheißer, die sich durch die Jahrhunderte gestümpert hat. Die Grundlagen für die Handhabung der finanziellen und wirtschaftlichen Belange der Kirche sind aber gleich und bis zum Beweis des Gegenteils ist mit ruhigem Gewissen zu behaupten, all das, was der Vatikanbank vorgeworfen wurde finden wir ebenso in den Finanzstrukturen der katholischen Kirche in Deutschland. Das göttliche System der eigenen Unfehlbarkeit, fern jedweder Weltlichkeit macht es möglich.
Deutschland, wohl eines jener Länder, dass das komplizierteste Steuerrecht weltweit aufzuweisen hat, leistet sich den Luxus den Einkommens-und Vermögensmilliardär katholische Kirche gänzlich unkontrolliert zu lassen. Steuerflüchtlinge werden gejagt, Datensätze im Ausland aufgekauft, um den Fiskus die entgangenen Steuern zu zuführen. Steuerflüchtlinge sind Idioten, die katholische Kirche in Deutschland macht das ganz professionell, was ist der Raub in einer Bank, gegen die Gründung einer Bank. Es ist der Wille deutscher Politik, Steuerrecht auszuhebeln und den Kirchen Vorteile zu verschaffen, die ihresgleichen suchen.
Die Bistümer geben vor ihre Vermögenslage nicht einschätzen zu können, der Erzbischof von München spricht von rund 700 Millionen Euro Einnahmen, sieht sich aber dem päpstlichen Armutsgebot entsprechend. Wie blöd muss man sein um so eine Kröte zu schlucken?
Die Bischöflichen Stühle, Körperschaften des öffentlichen Rechts, Schattenwirtschaften, in denen es keine Bilanzierung gibt, muss man auch nicht, der Staat lässt werkeln, die Kirchen lösen ihre Probleme in ökonomischer Hinsicht eigenständig. Insofern ist Tebartz-van Elst ein Kind seiner Kirche, man spricht von 300 Millionen Euro angesparter Kirchensteuer, die ist nun wahrlich Sache der Kirche und nicht des säkularen Staates. Irritierend ist die Tatsache, dass es wohl Katholiken sind, die ihren Apostel, ganz weltlich natürlich, angezeigt haben.
Das mediale Management ist mehr als mies. Schnellschüsse fabrizierend, um Scheintransparenz bemüht, legt man die Vermögen der Bischöflichen Stühle offen, Stunden später muss man sich den Vorwurf der Unwahrheit gefallen lassen, nett formuliert. Vom Staat bezahlte Bischöfe lügen in die Medien, als werden sie dafür bezahlt.

Schuld an dieser Misere trägt die Politik, wegschauen, schweigen, gewähren. Dass die Kirchen, die vorhandenen politischen Gefälligkeiten für sich ausnutzen ist schon fast menschlich verständlich. Christliche Politiker sichern ihren Pfaffen ein Höchstmaß an Eigenständigkeit, der „säkulare“ Staat Deutschland ist zur Parodie seiner selbst verkommen. Die Vatikanbank in Rom ist gegen die Vermögenslage der katholischen Kirche in Deutschland eine kleine Sparkasse. Die katholische Kirche in Deutschland, ein Paralleluniversum in dessen Zentrum ein riesiges „Schwarzes Loch“ haust, der Ereignishorizont für normale Menschen nicht einsehbar und den christlichen Politikern steckt ein Kruzifix in den Augen.

4 Comments

  1. @Emporda: Soweit haben diese Herren leider noch nicht abgewirtschaftet. Die sitzen dank ihrer besten Verbindungen zu den maßgebenden Politkern immer noch sehr fest im Sattel. Sie täusche Einsicht und Reue vor, sinnen jedoch nur darüber nach, wie sie die Konfessionalisierung der Gesellschaft Richtung Kirchenstaat weiter treiben können. Den Hebel dazu bieten das sog. Selbstbestimmungsrecht und das kirchliche Arbeits(un)recht, Geld haben sie ja genug und obendrein bekommen sie es ja auch über viele Kanäle vom Staat, etwa nach der Formel: Geld = Macht = Kirche.

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  2. @Uwe Lehnert
    Bei einer ständig rückläufigen oder abnehmenden Zahl an Religioten betreibt der verbleibende Rest ein Verhalten, dass auch die NAZI Truppen beim Rückzug aus Russland an den Tag gelegt haben. Das ist als „vernannte Erde“ in die Geschichte eingegangen, dem bösen satanischem Feind darf nichts geschenkt oder gar hinterlassen werden. Dabei handelt jeder Religiot wie das hypnotisierte Kaninchen in totaler Trance. Den Atheisten bleibt nur die Hoffnung, eines frnen Tages wachen die Typen vielleicht sogar auf.

    Bei dieser Argumentation entstehen Spitzenleistungen der Idiotie, die schaffen nicht einmal Zombielogen nach 8 Jahren Studium. Dazu muss man Bundesminister oder gar Ministerpräsident sein, qua Amt stehen einem dann 1 Dutzend katholische Schreiberlinge zur Verfügung, die alle 16 Semester religiotischen Blödsinn studiert haben in der Hoffnung, irgendwann eine Badewanne für 15.000 € zu bekommen

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  3. Die Runde unter der Moderation des Katholiken Jauch am letzten Sonntag im Fernsehen gab sich sehr »betroffen«. Aber das moderate Verhalten der Runde resultierte weniger aus der Einsicht in das Fehlverhalten der Kirche als aus der Sorge, durch ein verteidigendes Beharren auf den überkommenen Privilegien den Volkszorn noch mehr zu entfachen. So gibt man sich jetzt einsichtig, hofft auf das schlechte Gedächtnis der Menschen und wird in Kürze so weitermachen wie bisher. Wir haben in Deutschland eine mächtig hinkende Trennung zwischen Staat und Kirche. Doch wer sollte den weltanschaulich neutralen Staat ernsthaft wollen? Doch kaum die tonangebenden politischen Parteien, deren Spitzen durchweg fest in der Hand überzeugter Kirchenmänner und zunehmend auch anderer Religionsvertreter sind. Bei jeder Verhandlung zwischen Staat und Religionen sitzen auf beiden Seiten Vertreter ein und derselben Interessengruppe. Wir konnten das religions- und kirchenergebene Verhalten beobachten z.B. bei der eilfertigen Zustimmung zur menschenrechtsverletzenden Beschneidung wehrloser Jungen, bei den mehr oder weniger hingenommenen Sonderrechten aufgrund des kirchlichen Arbeits(un)rechts, zuletzt bei der einhelligen Ablehnung eines Antrags der LINKEN zur Ablösung der sog. Staatsleistungen. CDU/CSU und SPD haben nicht das geringste Interesse an einer klaren Trennung von Staat und Kirche. Die Kirche sitzt geradezu krakenhaft in allen (Betonung liegt auf: allen) relevanten gesellschaftlichen und politischen Institutionen, bis hinein in die obersten Gerichte, in die man nur hinein gewählt werden kann, wenn man eine klare christlich-religiöse Orientierung erkennen lässt. Dabei gehören 40 Prozent der deutschen Bevölkerung keiner der großen christlichen Kirchen an. Demokratische Teilhabe relevanter Bevölkerungsgruppen sieht anders aus.

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