Hugo Chávez, Heilslehren und Heiligenfiguren


In Venezuela verehrt man jetzt ein beim U-Bahn-Bau erschienenes Zufallsabbild des ehemaligen Präsidenten Hugo Chávez

Von Peter MühlbauerTELEPOLIS

Synkretismus ist ein Begriff aus der Religionswissenschaft. Er bezeichnet das Phänomen, dass Strukturen und Inhalte einer älteren Religion in einer neuen weiterleben. Ein klassisches Beispiel dafür ist die venezolanischen Heiligenfigur Maria vom Jaguar, in der sich nicht nur katholische und indianische, sondern auch afrikanische Elemente finden. Das Phänomen ist jedoch nicht auf den klassisch-religiösen Bereich begrenzt.

Wie gut vor allem das Politische mit dem Religiösen synkretistische Verbindungen eingehen kann, zeigt sich aktuell recht eindrucksvoll ebenfalls in Venezuela: Dort berichtete Staatspräsident Nicolás Maduro im Fernsehen anscheinend emotional bewegt darüber, dass er glaube, sein am 5. März im Alter von 58 Jahren an Krebs verstorbene Vorgänger Hugo Chaves sei bei Bauarbeiten an der U-Bahn-Linie 5 in der Hauptstadt Caracas „erschienen“. Beleg dafür seien Schattierungen an einen Tunnelwand, die seinem Antlitz ähneln. Arbeiter hatten ihm die Stelle gezeigt, als er vor einigen Tagen die Fortschritte beim U-Bahn-Bau besichtigte.

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