Israels Siedlungspolitik: Blindheit und Gottesglaube


© Philippe Matsas/Agence Opale
Die israelischen Siedler hätten in Tel Aviv das Image, „brutal zu sein, bösartig zu sein und anderen das Land wegzunehmen“, sagt der linke Schriftsteller Assaf Gavron. Er hat die Stereotypen überprüft und erzählt in seinem Roman „Auf fremdem Land“ menschliche Alltagsgeschichten.

Assaf Gavron im Gespräch mit Stephan KarkowskyDeutschlandradio Kultur

Stephan Karkowsky: Ein Mann überlebt in Israel mehrere Selbstmordattentate und wird auf groteske Art und Weise zu einem israelischen Nationalhelden. Diese Geschichte erzählt ein früherer Roman des israelischen Schriftstellers Assaf Gavron. In seinem neuen Buch fasst er erneut ein heißes Eisen an: die illegalen Siedlungen nämlich von Israelis im besetzten Westjordanland. Er tut das mit demselben Augenzwinkern, mit derselben Lust an den größten Tragödien das Absurd-Komische zu entdecken. Am Ende des Romans soll die Siedlung wieder einmal geräumt werden, die Siedler aber feiern gerade in bunten Fantasiekostümen verkleidet das Purimfest.

(Auszug aus dem Roman „Auf fremden Land“)
Michael Jackson fragte: Wie kann das sein? Eine männliche Braut aus dem Dreiergrüppchen sagte, das sei unfassbar. Die Tigerin brüllte „Hamas“ und Schneewittchen schrie: Was, am Fest, schämt ihr euch nicht? Michael Jackson zog sein Telefon heraus und rief seinen Kollegen, den Befehlshaber des Zentralkommandos an. Kein Ton, keine Antwort. Die Kolonisatoren sangen nun: Er ritt nach Palästina auf einem zweihöckrigen Kamel. Rambo stellte fest: Was für ein Chaos!, wobei unklar war, ob er weinselig oder besorgt über die Entwicklungen war. Kareem Abdul-Jabbar suchte seine Pinguinin, und der Häftling erhielt Order, bei seinem Vorgesetzten anzutreten. Doch auch er hatte etwas getrunken, verdammte Scheiße. Das war sein letzter Tag beim Militär, er durfte doch feiern. Die Hunde bellten, die Kolonne hielt, und Soldaten und Polizisten der Sondereinheit stiegen mit versiegelten Gesichtern aus den Fahrzeugen.

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