Steht der Papst auf die goldenen Gene?


Goldener Reis: Das Provitamin A ( Beta-Karotin) verleiht den Körnern die Farbe.© AFP
Kommt jetzt die Wende in der Grünen Gentechnik? Der Goldene Reis ist angeblich das Trojanische Pferd einer unmoralischen Gentechnik-Lobby. Allerdings scheint der Vatikan da inzwischen ganz anderer Ansicht.

Von Joachim Müller-JungPlanckton/Frankfurter Allgemeine

Ist das die Ruhe vor dem Sturm? In wenigen Wochen könnte, wenn nicht noch eine höchstrichterliche Anordnung dies verhindert, eine neue Ära der Grünen Revolution beginnen.  Ende Januar könnte es tatsächlich zur  ersten Zulassung für den „Goldenen Reis“ auf den Philippinen kommen. Das goldfarbene Korn, das dank komplexer gentechnischer Veränderungen das Provitamin A – den „Karottenfarbstoff“ Beta-Karotin – enthält, ist seit mehr als zehn Jahren das Feindbild Nummer eins der Gentechnik-Gegner.  Jeder weiß: Wenn der Goldene Reis tatsächlich eingeführt, angebaut, verspeist und zum Retter vor dem tödlichen  Vitamin-A-Mangel  in den ärmsten Regionen der Welt wird, dann haben die radikalen Kritiker der Grünen Gentechnik nicht nur ein moralisches Argumentationsproblem, sie müssten die  größte Niederlage in ihrem Kampf gegen  die Ausbreitung der Biotechnik in der Welt einstecken. Und nicht nur Patrick Moore, der Ex-Mitbegründer von Greenpeace, der inzwischen zu einem der größten Fürsprecher  des Goldenen Reis mutiert ist, könnte sich die Hände reiben. Wir stehen also mit anderen Worten vor einer Entscheidungsschlacht im Kulturkampf um die Grünen Gentechnik. Doch was liest und hört man? Nichts! Wenig jedenfalls. Als wäre totschweigen  die neue Taktik. Das gilt auch für viele von uns Journalisten.

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