Astrobiologie: Mikrobielle Büchse der Pandora


Mikroskopaufnahme von Tersicoccus phoenicis. Bild: Rüdiger Pukall (DSMZ)
Internationales Forscherteam spürt in Montagewerken der NASA und ESA eine neue Mikroben-Gattung auf, die für Astrobiologen von Interesse ist

Von Harald ZaunTELEPOLIS

Mikroorganismen, sprich Bakterien, Viren, Einzeller und Pilze sind die ältesten und mit Abstand erfolgreichsten sowie resistentesten Lebewesen auf unserer Welt. Praktisch überall auf der Erde haben sie ihre ökologischen Nischen gefunden. Ihre Gesamtmasse ist nahezu unberechenbar groß. Mikrobiologen schätzen, dass Bazillus & Co. heute das Fünf- bis Fünfundzwanzigfache der Masse allen tierischen Lebens ausmachen.

Die spektakulärsten unter ihnen sind fraglos Extremophile, worunter jene exotischen und sehr anpassungsfähigen Bakterien fallen, denen selbst extremste Umweltbedingungen nichts anhaben können. Im polaren Meereis, in vulkanisch aktiven Zonen, kochenden Geysiren, heißen Schwefelquellen, bei hohen Salzkonzentrationen, im basischen oder sauren Milieu, in großer Tiefe (ohne Licht/Photosynthese), unter starken Drücken, im Kühlwasser von Atomkraftwerken, ja sogar im Weltraum (ohne Sauerstoff) gedeihen diese Überlebenskünstler par excellence mit spielerischer Leichtigkeit. Ein Paradebeispiel hierfür ist etwa die Rot-Alge Galdieria, die sich mit Vorliebe in den kochend heißen Quellen des Yellowstone-Nationalparks vergnügt und in säurehaltigen Abwässern extremen Schwermetallkonzentrationen die Stirn bietet.

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