Kirchenrechtler Heinig: „Der Staat braucht die Kirchen als Kooperationspartner“


macht_kirchenWarum zahlt der Staat den Kirchen Entschädigungen? Welche Privilegien haben Religionsgemeinschaften? Warum gibt es das Beichtgeheimnis? Ein Kirchenrechtler antwortet.

Von Martina PowellZEIT ONLINE

ZEIT ONLINE: Herr Heinig, Staat und Kirchen verbindet ein komplexes Geflecht an Verträgen. Was hat es damit auf sich?

Hans Michael Heinig: In der Evangelischen Kirche spricht man von Staatskirchenverträgen. Bei der Katholischen Kirche gibt es neben Staatskirchenverträgen mit den Diözesen auch sogenannte Konkordate. Das sind Verträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl, dem Papst als völkerrechtliches Subjekt und dem Staat geschlossen werden.

ZEIT ONLINE: Was regeln diese Verträge?

Heinig: Die Finanzierung der Kirchen – also jenes Thema, das die Medien am meisten beschäftigt – ist darin in Wirklichkeit nur eine kleines Thema. Es geht vor allem um einen effektiven Kirchensteuereinzug, denn die Kirchensteuer macht den größten Teil der kirchlichen Einnahmen aus. Die meisten Fragen in den Staatskirchenverträgen betreffen jedoch andere Dinge: die Militärseelsorge, wann und wie Geistliche in Gefängnisse kommen können, wie Religionsunterricht angeboten wird oder wie kirchliche Feiertage geschützt werden.

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