Menschenrechte für Schimpansen?


Gemeiner Schimpanse im Zoo Leipzig. Bild: Thomas Lersch; Lizenz:CC BY-SA 3.0
Tiere können merkwürdig sein, merkwürdiger als Menschen. Die polnische Reporterlegende Ryszard Kapuscinski berichtete[1] einmal eine Szene aus einem Zoo in Abu Dhabi. Dort neckten Kinder einen Gorilla. „Anfangs“, so Kapuscinski, „wurde der Gorilla wütend, rannte durch seine Betonlandschaft und drohte den kleinen Quälgeistern. Schließlich setzte er sich erschöpft in die Mitte des Käfigs und begann zu weinen“.

Von Thomas PanyTELEPOLIS

Dem setzt der polnische Reporter noch eins drauf und zwar einen gewaltigen Sandsturm, der sich in diesem Augenblick erhob. Alle liefen weg, der Reporter drehte sich auf der Flucht noch einmal um und sieht den Gorilla, wie er da sitzt, „in der Mitte abgeknickt“, den Weglaufenden nachsieht „und schluchzt“. Eine Reporter-Erfindung, der Dramatik wegen?

Im nächsten Absatz schildert der polnische Reporter die Streiche einer kleine Katze in seinem Arbeitszimmer.

„Durch ihre Streiche gewann der ganze Raum andere Ausmaße und Proportionen.“

Wendet man den Blick weg vom spannungsschaffenden Schreibstil, hier mit dem Kontrast zum großen, wilden Gorilla operierend, und schaut auf die Aussage selbst, so könnte sie eine Richtung anzeigen – für die Antwort auf die Frage, ob denn nicht die Sicherstellung der Würde des Menschen auf einer höheren Dringlichkeitsstufe steht als der Einsatz für Tierrechte. Die Annahme wäre, dass bessere Rechte für Tiere auch unserem Menschenleben andere Ausmaße und Proportionen verschaffen.

Die erste Beobachtung des Reporters, die Affekte eines Tieres menschlichen Empfindungen gleichstellt, findet sich, ohne die fabelhafte Überzeichnung, im eher wissenschaftlichen Duktus, in einem Engagement wieder, das mit eben dieser Reaktion zu kämpfen hat: Ist es nicht wichtiger, alle Kräfte für die Rechte inhaftierter Menschen zu sammeln, als mit der Forderung nach Tierrechten „Nebenschauplätze aufzumachen“?

weiterlesen