Frido Mann: „Bei Franziskus sehe ich noch kein Wagnis“


Frido Mann, Bild: wikipedia
Der Schriftsteller und Theologe Frido Mann spricht im Interview über seine Abkehr vom Katholizismus, den Papst und die Religion im Haus seines Großvaters Thomas Mann.

Von Wolfgang ThielmannZEIT ONLINE

Frage: Herr Mann, Sie kritisieren den bei allen beliebten Papst Franziskus. Was macht er falsch?

Frido Mann: Er legt das Gewicht zu sehr auf Äußerlichkeiten: einfache Kleidung, Straßenschuhe, ein altes Auto. Immerhin hat er wie noch kein Papst betont, dass der Platz der Christen bei Armen und Kranken ist. Da spricht er aus, was Jesus wollte. Man gewinnt daraus den Eindruck, er sei auch bei der Lehre und der Organisation der Kirche reformfreudig. Doch davon sehe ich nichts. Es ist, als ob er nur bestimmte Dinge anleuchtet. Darum herum bleiben Schatten.

Frage: Wo sehen Sie Schatten?

Mann: Franziskus zeigt auch, worüber er nicht sprechen und was er nicht tun will: Er tastet die Lehre nicht an. Ein neuer Johannes XXIII. ist er jedenfalls nicht. Johannes hat ein Konzil einberufen. Er hat etwas gewagt. Bei Franziskus sehe ich noch kein Wagnis. Er müsste sich zu den Aussagen der Bibel stellen, dem Prunk des Vatikans eine Absage erteilen. Manchmal tut er, als räumte er in erstarrten Strukturen auf. Da überlagern tausend historisch gewachsene Gewohnheiten den Kern der christlichen Botschaft.

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