Freie Wissenschaft als Geisel der Wirtschaft


proton_positivEs war einmal eine freie Wissenschaft, über Jahrhunderte und über alle Staatsformen hinweg hat es Einrichtungen gegeben, in denen (wenigstens der Idee nach) frei von politischer, ökonomischer oder sonstiger Macht kluge Menschen „freigestellt“ wurden, um sich auf die Suche nach Wahrheit zu begeben und die Menschen aufzuklären.

Von Wolfgang LiebNachDenkSeiten

Dieses Märchen hat unser Grundgesetz in einen Grundrechtsartikel gefasst, der diese Freiheit der Wissenschaft an staatlichen Hochschulen garantieren soll.
Wenn man die Debatte um den Referentenentwurf für ein „Hochschulzukunftsgesetz“ in NRW verfolgt, dann muss man resigniert konstatieren, dass das Pathos der Wissenschaftsfreiheit nur noch hohl ist. Wie die Politik allgemein in den Fängen der Finanzwirtschaft zur „marktkonformen Demokratie“ gezwungen wird, so ist offenbar auch die Wissenschaft an staatlichen Hochschulen schon eine Geisel der Geldgeber geworden.

Wie die Finanzmärkte wurden auch die Hochschulen unter dem Pathos der Freiheit „entfesselt“ (so der frühere Bertelsmannsche CHE-Che Detlef Müller-Böling). Dabei werden Forschung und Lehre mehr und mehr zur Spekulations- und Verfügungsmasse der finanzstarken Auftraggeber. Die Einwerbung von Drittmitteln steuert zunehmend die Forschungsentwicklung und zugleich die Zuteilung staatlicher Mittel – sei es über die leistungsorientierte Mittelverteilung oder über die Exzellenzinitiative.

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1 Comment

  1. Natürlich ist der Titel unsinnig, heute gibt es kein Spitzenleistung in der Wissenschaft irgendwo im Hinterzimmer mit selbst gebastelten Geräten.wie Rutherford oder Heisenberg. Die notwendigen Gerätschaften der Wissenschaft kosten Millionen oder viele Milliarden wie das CERN in Genf

    Wissenschaft ist eine offene, freie und im Ergebnis neutrale Methodologie des Zweifels, sie nutzt Theorien, Hypothesen, Tests, Fakten und Fossilien wieder und wieder auf der Suche nach einer beweisbaren Erklärung für eine allen Forschenden frei zugängliche und beliebig prüfbare Realität. Freies Denken im Zweifel reduziert Theologie zur Pseudo-Wissenschaft mit Wundern, Engeln, göttlichen Zombies und Dämonen, alles als ewig wahre und unantastbare Paranoia.

    Gezielte Forschung der Industrie ist nicht weniger teuer. Die Mittel werden von der Führung nur genehmigt, wenn ausreichende Chancen auf Erfolg gewährleitet sind und mit genug Rohertrag gerechnet werden kann. Das ist nicht von heute auf morgen zu machen, z.B. ein neues Medikament zu erforschen, zu testen und einzuführen dauert 10 Jahre und mehr. Bei komplexen Leiden wie etwa Krebs oder HIV sind selbst 30 – 50 Jahre knapp bemessen

    Das schaffen auch große Firmen nur, wenn zwischendurch andere Erfolge abfallen, die vermarktet werden können. Selbst dann geht es nicht ganz ohne staatliche Förderung

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