Gedanken sind nicht biologisch bedingt – naturalistische Argumente gegen den Evolutions-Biologismus


Rodin, Der Denker, Bild: wikimedia
„Naturalismus“ ist ein Thema, das die Scilogs-Leser besonders zu interessieren scheint – weit mehr als den Rest der intellektuellen und akademischen Öffentlichkeit. Das mag daran liegen, daß Scilogs-Leser größtenteils eine Naturwissenschaft studiert haben oder studieren und die naturalistische Philosophie ihnen schmeichelt. Vielleicht liegt es auch daran, daß diese für jemanden, der naturwissenschaftlich ausgebildet ist, relativ leicht verständlich ist; von Philosophien anderen Zuschnitts – beispielsweise absoluter Idealismus, Phänomenologie, Existentialismus – kann man das ja keineswegs sagen. Jedenfalls: Wann immer hier oder in anderen Scilogs-Blogs das Thema Naturalismus angeschnitten wird (z. B.: a, b, c, d, e, f), schnellt die Zahl der Kommentare in die Höhe und der Tonfall wird aufgeregter.

Von Ludwig TreplLandschaft&Ökologie/SciLogs

Den Naturalismus habe ich neulich in einem Blogartikel mit Geert Keil (2007) so charakterisiert: „Die naturwissenschaftlichen Methoden sind der Königsweg zur Wahrheit, sie können überall angewandt werden und verschaffen Wissen über alles, worüber es überhaupt etwas zu wissen gibt.“

Nun werden die Naturalisten immerzu darauf hingewiesen, daß es doch Dinge gibt, über die es etwas zu wissen gibt, bei denen uns aber die naturwissenschaftlichen Methoden kaum oder gar nicht zu Wissen verhelfen. Ethik oder Recht oder Kunstgeschichte wären Beispiele. Auch verweist man darauf, daß die Naturwissenschaften ihrerseits auf Wissenschaften basieren, in denen man nicht auf naturwissenschaftliche, also empirische Weise, durch Beobachtung der Natur, zu Wissen kommt: Mathematik und Logik.

Von naturalistischer Seite kommt in der Regel folgende Antwort: Hier handelt es sich um ein Wissen, das wir mit allen Menschen teilen. Alle können „logisch“ denken, alle können rechnen (lernen), und trotz aller Unterschiede zwischen den Kulturen und Zeiten gibt es gewisse Gemeinsamkeiten in Fragen der Ethik; sich durch Betrug zu bereichern wird man nirgends für ethisch erlaubt halten, wenigstens dann nicht, wenn die Betrogenen zu den vollwertigen Menschen gezählt werden. Woran liegt das? Es liegt, sagt man, einfach daran, daß wir alle der gleichen biologischen Spezies angehören, also eine gemeinsame biologische Evolution hinter uns haben. Da sind nicht nur gemeinsame körperliche Merkmale, sondern auch gemeinsame Denkstrukturen und auch Denkinhalte entstanden. Hier einige Zitate des Physikers und Scilogs-Autors J. Honerkamp: „Aber das Erkenntnissubjekt ist eben auch ein ‚Stück Natur’, insbesondere ist seine Erkenntnisfähigkeit durch den Evolutionsprozess in der Natur entstanden.“ „In der Tat glaube ich auch, dass sich in unserer genetischen Ausstattung, die sich im Laufe der Evolution gebildet hat, nicht nur Bewegungsabläufe sondern auch Denkstrukturen gespeichert sind, die unser Verhalten gegenüber der eigenen oder fremden Spezies bestimmen.“ „Moralisch schlecht ist, was den anderen schadet. Natürlich haben wir dann ein Bild von einem guten Zusammenleben, vom Überleben unserer Spezies, im Hinterkopf. Da kommt wieder unsere genetischen Ausstattung, die sich im Laufe der Evolution gebildet hat, ins Spiel.“ (Siehe hier)

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2 Comments

  1. Da gebe ich Dir soooo recht,Emporda,

    dieser Artikel ist auf dem Niveau, auf dem mir religiöse Menschen ihren Hokuspokus erklären wollen. Sowas muß ich mir immer wieder anhören:

    „Liebe, Gedanken, Schönheit – das ist doch alles auch nicht materiell….“ und dann greife ich nach dem Bettzipfel und sage Gute Nacht… Und dabei bin ich gar nicht mal Naturwissenschaftler, sondern habe geisteswissenschaftliche Fächer studiert. Und ich frage mich, warum ist das so schwer einzusehen, daß Liebe an Hormone, Gedanken an Botenstoffe und Schaltungen im Gehirn gebunden sind, ebenso wie Schönheit – jetzt mal ganz schlicht gesagt. Und daß Liebe vorbei ist, wenn der Mensch stirb und Schönheit nur im Auge des Betrachters liegt (und dem dahinter liegenden Cortex) etc.pp.
    Wieso dann Ethik, Recht und Kunstgeschichte etwas Immaterielles sein sollen, ist doch wohl eine Frechheit!

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  2. Das ist der Treppenwitz des Jahres
    „Nun werden die Naturalisten immerzu darauf hingewiesen, daß es doch Dinge gibt, über die es etwas zu wissen gibt, bei denen uns aber die naturwissenschaftlichen Methoden kaum oder gar nicht zu Wissen verhelfen. Ethik oder Recht oder Kunstgeschichte wären Beispiele“

    Damit hatten die frühen Steinzeitmenschen, die in ihren Höhlen lange vor jeder Schrift mit Wandwalereien ihre Jagdmythen.verehrten, die hatten alle intensive Kenntnis von Ethik, Recht, Kunst und dem Glauben an den himmlischen Zombie

    Wo ist im Vatikan der Platz, wo man gemeinschaftlich sein Gehirn zur Grütze reduzieren kann

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