Organspende: Das Dilemma mit den untoten Toten


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„Nach meinem Tod brauche ich meine Organe doch nicht mehr“, sagen Befürworter der Organspende. „Warum soll ich sie dann nicht zur Transplantation freigeben, um damit Leben retten?“ Diese Argumentation ist auf den ersten Blick bestechend. Dennoch sinkt die Spendenbereitschaft. Das hat auch mit Fehldiagnosen beim Hirntod zu tun.

Von Karin Vorländerevangelisch.de

Die großen christlichen Kirchen stehen der Organspende positiv gegenüber. 1990 betonten sie in einer gemeinsamen Erklärung, dass „in der Organspende noch über den Tod hinaus etwas spürbar werden [kann] von der ‚größeren Liebe‘, zu der Jesus seine Jünger auffordert“. So bezeichnete auch Friedrich Weber, Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche, die Organspende als „Ausdruck christlicher Nächstenliebe und Solidarität“. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider erklärte im November 2012: „eine Entnahme von Organen verletzt nicht die Würde des Menschen und stört nicht die Ruhe der Toten.“ Auch wenn er eine christliche Verpflichtung zur Organspende nicht postulieren mochte, legt der Verweis auf das Gebot der Nächstenliebe eine Entscheidung pro Organspende nahe.

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