Früher war die Zukunft auch besser—Zukunft? Zukünfte!


Die Arbeitsfelder der Anthropozänforschung (siehe Text) Bild: DER ANTHROPOZÄNIKER
Das Anthropozän-Konzept besteht aus mehreren konzeptionellen Teilansätzen. Neben der Beschreibung und Untersuchung des extremen Grads der Beeinflussung der Erde durch menschliche Aktivitäten (- der Mensch als „geologischer Faktor“ – ) sowie der eher geowissenschaftlichen Diskussion zur Definition des Anthropozäns (- Wo sollte geeigneterweise die Untergrenze für diese neue erdgeschichtliche Epoche gelegt werden? – ) bedingt die integrative Sichtweise des Anthropozäns weitere Arbeitsfelder:

Von Prof. Dr. Reinhold LeinfelderDER ATHROPOZÄNIKER

So geht die Umweltforschung wegen des gesamtsystemischen Ansatzes des Anthropozäns (- Natursphären und Soziosphäre als interagierendes Gesamtsystem -) in eine neue, integrative „Unsweltforschung“ über. Ethisch-normative Verantwortungsaspekte (- Was ist unsere Verantwortung hinsichtlich zukünftiger Generationen? Wie ist dies erreichbar? -) bekommen im Anthropozän eine herausragende Bedeutung. Dies führt direkt in einen gesellschaftswissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Dialog und Diskurs, zu dessen Gelingen „Science Literacy“, also wissenschaftsbasierte Bildung und entsprechende Kommunikations- und Diskursfähigkeit essenziell sind.

Ein kurzer Rückblick auf Teil 1 und 2

Teil 1 dieser kleinen Reihe behandelte bereits einige gesellschaftliche Rahmenbedingungen hinsichtlich dieses notwendigen Diskurses. Empfindlichkeiten, aber auch Mutlosigkeiten und Verunsicherungen hinsichtlich der Rolle und Relevanz von Wissenschaften sind weit verbreitet, werden teilweise bewusst geschürt, sind aber vielfach auch selbstgeneriert und aus psychologischen Gründen plausibel. Selbstreflexion und generelle Bildung, Selbsterfahrung und Diskussion derartiger Schutz-, Abwehr und Verhinderungsmechanismen sollten zu einem wichtigen Teil der Kommunikation für ein zukunftsfähiges Anthropozän werden.

Teil 2 widmete sich der Frage, woher die Gesellschaft und das Individuum Erkenntnisse beziehen, um zukunftsrelevante Entscheidungen zu treffen und dazu notwendige Verhaltensänderungen dann auch konsequent vorzunehmen. In der Regel ist zwar unbestritten, dass Entscheidungen erkenntnisbasiert sein sollten, und eine Wissensgesellschaft diese Erkenntnisse daher auch kennen und kommunizieren muss. Hierbei muss sich die Wissenschaft jedoch bewusst sein, dass einer Wissensgesellschaft nicht synonym mit einer Wissenschaftsgesellschaft zu sehen ist. Im gesellschaftlichen Dialog müssen auch persönliche Erfahrungserkenntnis sowie persönliche Überzeugungserkenntnis mit berücksichtigt werden, denn auch bei genereller Akzeptanz von Wissenschaft führen gerade persönliche Erfahrungen bzw. Überzeugungen häufig zum selektiven Herauspicken gewünschter sowie zum Ausblenden ungewünschter Wissenschaftsergebnisse. Nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse kritisch zu hinterfragen – was ja im wissenschaftlichen System ständig geschieht und den Motor für den Fortschritt der Wissenschaften ausmacht -, sondern auch Erfahrungen und Überzeugungen immer wieder zu reflektieren und zu adaptieren, wird eine weitere Herausforderung für zukunftsfähiges gesellschaftliches Handeln darstellen (Abb. 2).

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