Die Evolutionstheorie ist schwer zu ertragen – nicht nur für Bibeltreue


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Nur 9,5 Prozent der befragten Amerikaner glauben an die Evolution, der Rest waren aber nicht alles hartgesottene Kreationisten. Fest steht: Ganz auf Wissenschaft verzichten wollen die wenigsten.

Von Christoph Bopp AARGAUER ZEITUNG

Diese Zahl liess aufhorchen: Mitte Februar war zu lesen, eine amerikanische Umfrage habe ergeben, dass nur noch 9,5 Prozent von 9138 Befragten die Evolutionstheorie für glaubwürdig hielten. Wenn das bedeuten würde, dass 90,5 Prozent der Amerikaner Kreationisten wären, wäre das allerdings besorgniserregend. Zum Glück ist es nicht so schlimm. Die Fragestellung war differenzierter. Nur 21,5 Prozent sind wirklich hartgesottene Kreationisten. Sie glauben, dass Gott in den letzten 10 000 Jahren das Universum, die Erde und alles Leben geschaffen habe.

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2 Comments

  1. Die Studie fand in Texas statt, das ist ein konservativer Religionsclub und nicht repräsentativ für die USA. Man könnte auch im Bayrischen Wald den Stammtisch fragen, ob die Deichhöhe an der friesischen Küste ausreicht oder die gesamte Thekenlänge in der Düsseldorfer Altstadt nicht zu viel ist

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  2. Wahrscheinlichkeitstheoretisches Innumeratentum

    »Was bei der Evolutionstheorie am meisten aneckt, wird in der Regel in einer absurden ‹wahrscheinlichkeitstheoretischen› Form vorgebracht: Dass es nur ‹durch Zufall› zu Menschen mit Bewusstsein und komplexen Gehirnen gekommen sei, das sei unmöglich. Oder von so verschwindend kleiner Wahrscheinlichkeit, dass die Theorie nicht stimmen könne. Irgendwo müsse es doch da ‹etwas› geben.«

    Das ist ein typischer Fall von „wahrscheinlichkeitstheoretischem Innumeratentum“[¹]. Was stets vergessen wird, ist die Tatsache, dass die Erde nicht allein im Universum ist. Die Wahrscheinlichkeit für ein Einzelereignis hat keine Relevanz „in sich“. Man muss die Anzahl der „Versuche“ ebenfalls berücksichtigen.

    Größenordnungsmäßig darf man nach dem Stand der astronomischen Wissenschaft von ca. 2×10^11 Sonnen[²] pro Galaxie und ca. 2×10^11 Galaxien im beobachtbaren(!) Universum ausgehen. Das macht ca. 4×10^22 Sonnen im beobachtbaren Universum. Wenn nur in jedem 1000ten Sonnensystem ein brauchbarer Planet in der habitablen Zone liegt, und selbst bei einer Wahrscheinlichkeit so klein wie 1/1Trillion[³] für eine Evolution wie bei uns, gäbe es immer noch statistisch ca. 40 bewohnte Planeten wie unsere Erde im Universum. Und auf jedem einzelnen von diesen ca. 40 Planeten werden die „wahrscheinlichkeitstheoretischem Innumeraten“ das gleiche falsche „Wahrscheinlichkeits-Argument“ vorbringen.

    Man kann hier im Grunde das anthropische Prinzip in etwas abgewandelter Form anwenden: ›Nur auf einem der ca. 40 Planeten unter ca. 4×10^19 Planeten in der habitablen Zone gibt es eine Lebensform (wie uns), die sich darüber wundert, dass sie trotz aller Unwahrscheinlichkeit da ist. – Und hier sind wir.‹

    Wir leben einfach auf einem der nach obiger Abschätzung ca. 40 bewohnten Planeten. Wären wir gerade auf einem der ca. 4×10^19 anderen Planeten, wären wir schlicht einfach nicht da, um sagen zu können, „Siehst Du, ist ja klar, dass wir nicht da sind. Es ist ja auch viel zu unwahrscheinlich.“ „Warum gerade hier“, kann man nur fragen, wenn man auf einem der anderen 40 Planeten ist. Auf einem dieser wenigen Planeten zu sein, ist eine Notwendigkeit überhaupt fragen zu können – und damit hat sich die Wahrscheinlichkeit gerade heraus gekürzt.

    Wenn man sich mal klar gemacht hat, versteht man auch, warum man (auch) mit dem „Wahrscheinlichkeits-Argument“ die Evolutionstheorie (eine wissenschaftliche Theorie und keine umgangssprachliche) nicht zu Fall bringt. Das Universum ist einfach viel zu groß, als dass nicht auch irre unwahrscheinliche Dinge doch irgendwo passieren können.
    ___

    [¹] Das ist nicht böse gemeint, sondern nur eine sachliche Feststellung, die auf sehr viele Menschen zutrifft. Im Grunde mehr oder weniger sogar auf fast alle. Wir haben keinen direkten Sinn für Wahrscheinlichkeiten. Daher fällt es sogar manchmal Menschen, die sich dauernd damit beschäftigen schwer, ad hoc den richtigen Blickwinkel zu finden. Für die obige Betrachtung habe ich auch eine Weile gebraucht, bis ich sie (hoffentlich) verstanden habe. 🙂

    [²] Einen Faktor ca. 2 rauf oder runter sei erlaubt. Es geht ja nur um eine grobe Schätzung. Und wie wir langsam begreifen hat nahezu jede dieser Sonnen ein Planetensystem. Planeten sind offenbar häufig.

    [³] d. h. 10^-18; was ich für eine sehr großzügige Unterschätzung halte. Da ist übrigens der unglaublich lange Zeitraum für ein Evolutions-Startereignis noch nicht „eingepreist“. Wenn wir davon ausgehen, dass es bei uns vielleicht 500 Mio Jahre gedauert hat, bis die Evolution begann und das ein typischer Wert ist, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Einsetzen einer Evolution wie bei uns über alles so klein wie 2×10^-26 pro Jahr. Und mit dieser Zahl wird im Text weiter überschlägig gerechnet.

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