„Reformation und Politik – zur politischen Verantwortung der Kirche“


Nikolaus Schneider, Bild: wikimedia.org
Die Themenjahre, mit denen wir auf den 500. Jahrestag der Reformation 2017 zugehen, wollen das weite Themenspektrum der Reformation entfalten. Sie setzen je für ein Jahr einen besonderen inhaltlichen Akzent und bringen damit Kernanliegen der Reformation neu ins Gespräch.

Von Nikolaus Schneider EKD

Das Themenjahr 2014, das wir am Reformationstag 2013 in Augsburg eröffnet haben, nimmt das spannungsreiche Verhältnis von „Reformation und Politik“ mit seinen vielen Facetten in den Blick. Eine der Facetten will ich heute mit meinen Gedanken über „die politische Verantwortung der Kirche“ in den Focus Ihrer Aufmerksamkeit rücken.

Ich verstehe Kirche als die Gemeinschaft der Menschen, die ihr Fühlen, Denken und Handeln an Gottes lebendiges Wort Jesus Christus binden und an ihm ausrichten. Christenmenschen – mit Ausnahme der Fundamentalisten, die es auch im Christentum gibt – glauben und bekennen also das Wort Gottes als „lebendiges und gegenwärtiges Wort“ – nicht als festgeschriebenes Buchstabenwort. Die Heilige Schrift gibt Zeugnis von diesem lebendigen Wort. Sie ist also von Gott inspiriert, aber nicht diktiert. Gott selbst spricht uns also an, aber vermittelt durch menschliche Erfahrung. Die Bibel ist Maßstab unserer Theologie, unserer persönlichen Gottesbeziehung und auch unseres Verständnisses von Kirche. Sie ist keine ethische Grundsatzschrift und kein zeitloser moralischer Tugend- und Lasterkatalog. Deshalb halte ich eine Beschreibung von Kirche als „Ethik- und Moralinstanz“ für problematisch.

Erste Aufgabe der Kirche ist die Weitergabe und Verkündigung des Evangeliums, das im Glauben gegründete ethische Verhalten ist Folge. Insofern vermag die Bindung an Gottes Wort uns Menschen durchaus ein belastbares „Wertefundament“ zu schenken. Dieses Fundament bewegt und befähigt uns als Christenmenschen und als Kirche, auch politische Verantwortung zu übernehmen und zu gestalten – in der Gewissheit, dass der Heilige Geist uns dabei als „rechter Zeitgeist“ (so Bonhoeffer) begleitet und leitet.

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