„Wissenschaft ist kein Wächterrat“


Simulation eines Teilchenschauers inklusive Higgs-Teilchen (Quelle: CERN). Eine Methode mit Bums
Simulation eines Teilchenschauers inklusive Higgs-Teilchen (Quelle: CERN). Eine Methode mit Bums
Forscher verlieren an Autorität, obwohl ihre Erkenntnisse unsere Zukunft prägen. Die Sehnsucht nach einfachen Antworten kann die Wissenschaft nicht stillen – die Esoterik scheinbar doch. Peter Strohschneider, Deutschlands mächtigster Wissenschaftsmanager, erklärt das schwierige Verhältnis von Gesellschaft und Wissenschaft.

Von Norbert LossauWELT am Sonntag

Von seinem schlichten Büro im zweiten Stock blickt Peter Strohschneider direkt auf den schönen Berliner Gendarmenmarkt. Als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kennt er das komplexe Innenleben des Wissenschaftssystems so gut wie kaum ein anderer. Die DFG verteilt jährlich stolze 2,7 Milliarden Euro an Hochschulforscher. Diese Extraförderung, eine deutsche Besonderheit, unterliegt einer strengen Qualitätskontrolle. Im Interview erklärt der Professor für die deutsche Sprache des Mittelalters welchen Herausforderungen sich die Wissenschaft hierzulande in den kommenden Jahren stellen muss.

Welt am Sonntag:

Produziert die Wissenschaft nicht viel unnützes Wissen?

Peter Strohschneider:

Freilich gibt es nützlicheres und weniger nützliches Wissen in gleitenden Abstufungen. Was jedoch als nützlich oder unnütz angesehen wird, ist das Ergebnis gesellschaftlicher Auseinandersetzungen, bei denen auch Wert- und Normkonflikte, Interessen- und Machtkonkurrenzen eine Rolle spielen. Es gibt keine absolute Relevanz, und die Gesellschaft muss sich von der Wissenschaft sagen lassen, dass sie gar nicht wissen könne, wie sich ihre Einschätzung von Relevanzen mit der Zeit verändern wird. Eine wesentliche Funktion von Wissenschaft besteht ja gerade darin, Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik nicht nur mit jenem Wissen auszustatten, dass diese bereits für relevant halten. Sie muss nicht zuletzt auch Wissen liefern, von dem man noch gar nicht weiß, ob es einmal relevant werden kann. Innovationen sind eben nicht-antizipiertes Wissen.

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1 Comment

  1. Was für ein religiotisches Dumpfbacken Geschwurbel.

    Die Wissenschaft ist niemals angetreten „einfache“.Erklärungen für das zu finden, was die Einfaltspinsel mangels Bildung und Intelligenz sowieso nicht verstehen. Eben sowenig ist die Wissenschaft ein .Debattierklub für Normen, gesellschaftliche, Interessen, Machtkonkurrenzen usw.

    Die Wissenschaft schaff nur Wissen, indem sie die Vorgänge und Abhängigkeiten in der Natur studiert und die Mechanik dahinter im Detail beschreibt. Bereits die Frage ob diese Mechanik gefällt oder nicht gefällt, ob sie gut oder schlecht ist und dergleichen mehr, hat nichts mehr mit Wissenschaft zu tun.

    Das sind Kriterien von Menschen, die meinen anderen ihre Meinung und Lebensführung aufzwingen zu können, weil die doch so toll und vom Zombie im Himmel gewollt ist

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