„Es regiert der, der das Gewehr in der Hand hat“


Wegen des Konlikts in der Zentralafrikanischen Republik sind tausende Menschen auf der Flucht … Foto: flickr/Boris Heger/UNHCR Photo Download | CC-BY-ND 2.0
In Afrika toben derzeit mehrere Konflikte, von denen auch Christen betroffen sind – als Opfer wie auch als Täter von Gewalt. Ulrich Delius, Afrika-Experte der Gesellschaft für bedrohte Völker, erklärt im Interview, welche Rolle Christen in der zentralafrikanischen Republik und in Nigeria spielen und warum es in diesen Konflikten gar nicht um Religion geht.

pro Medienmagazin

In der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) gibt es seit Monaten einen brutalen und blutigen Konflikt zwischen Muslimen und Christen. Worum geht es dabei?

Im vergangenen Jahr haben nach längeren bewaffneten Auseinandersetzungen vornehmlich muslimische Seleka-Rebellen die Macht ergriffen. Danach gab es sehr viele Übergriffe auf Christen. Als dann die von der Seleka gestützte Regierung zurücktreten musste, begann der Rachefeldzug von denjenigen, die vorher Opfer von Menschenrechtsverletzungen waren. Sehr viele Christen suchen jetzt nach Rache und Genugtuung. Es hat ein Kreislauf der Gewalt eingesetzt. Dabei wird nicht mehr unterschieden, ob jemand einer Miliz angehört, sondern er wird anhand seiner Religion klar einer Gruppe zugeordnet. Wer Muslim ist, ist in den Augen der meisten Menschen für die Gewalt der muslimischen Milizionäre gleich mitverantwortlich. Umgekehrt nehmen Muslime Christen pauschal als Anti-Balaka-Milizionäre wahr, von denen Gewalt ausgeht. So bekommt der Konflikt eine religiöse Komponente, die er vorher nie hatte.

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