Das Jüngste Gericht ist selbst gemacht


Historischer Kalender (UB Augsburg)
Das endzeitliche Denken sei im Christentum verankert, meint Achim Landwehr. Der Zeitgeist der Gegenwart sei im 17. Jahrhundert geprägt worden. Erst dann sei die Gegenwart als ein Zeitraum entdeckt worden.

Moderation: Liane von BillerbeckDeutschlandradio Kultur

Liane von Billerbeck: Wenn am Wochenende die Uhren umgestellt werden, dann soll das durch den leicht veränderten Tagesrhythmus Strom sparen. Wir sparen, weil wir nicht auf einen ökologischen Abgrund hinsteuern wollen, und weil wir das wollen, drehen wir an der Uhr und greifen in die Zeit ein. Der Historiker Achim Landwehr hat sich damit befasst, woher unsere Vorstellungen von Zeit kommen, in seinem Buch „Die Geburt der Gegenwart: Eine Geschichte der Zeit im 17. Jahrhundert“. Er ist jetzt aus Düsseldorf zugeschaltet. Herr Landwehr, ich grüße Sie!

Achim Landwehr: Guten Tag, Frau von Billerbeck!

von Billerbeck: Wir haben es mit einem Zeitmodell zu tun, das sowohl seit dem 17. Jahrhundert in Europa nicht mehr so aktuell war wie heute, nämlich mit der Endlichkeit der Welt. Wie war das, Herr Landwehr, mit der Endlichkeit der Welt? Welche Rolle spielte die im 17. Jahrhundert?

Landwehr: Sie spielte eine ungemein dominante Rolle, nicht erst im 17. Jahrhundert, sondern auch schon in den Jahrhunderten davor. Man kann durchaus davon sprechen, dass in einer christlich-religiös geprägten Welt das endzeitliche Denken gewissermaßen normal ist, denn wenn man sich einfach nur mal die Bibel anguckt, dann ist eine apokalyptische Vorstellungswelt da schon von vornherein eingeschrieben, denn die Welt, die Schöpfung wird irgendwann enden, das ist Gewissheit, und das ist auch das Einzige, was man lange Zeit meint, über die Zukunft sicher zu wissen, nämlich, dass das Ende nah ist. Und im 17. Jahrhundert war dieses Ende ungemein aktuell. Man vermutete also auch beständig, dass dieses Ende unmittelbar bevorstünde. Es gibt Berechnungen, mathematische Berechnungen, es gibt Prophezeiungen der unterschiedlichsten Art, Propheten, die auftreten und die das genaue Datum meinen, vorherbestimmen zu können, wann denn nun das Jüngste Gericht tatsächlich eintritt. Also von daher: Das war im 17. Jahrhundert tatsächlich noch eine sehr konkrete Vorstellung, dass die Welt enden würde.

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2 Comments

  1. Religiöser Humbug ist immer selbst gemacht. Da ist das ‚“Jüngste Gericht“ natürlich keine Ausnahme und eigentlich keiner besonderen Erwähnung wert.

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