Gemeinsame Pressemitteilung Germanwatch und Brot für die Welt


german_watch_brot_für_die_weltErgebnisse des IPCC-Berichts sind Appell zum Handeln
Entwicklungsländer brauchen Milliarden für Anpassung an den Klimawandel.

Als dringenden Appell zum Handeln an Politiker weltweit haben Germanwatch und Brot für die Welt den heute Nacht vorgestellten zweiten Teil des 5. Weltklimaberichts (IPCC-Bericht) bezeichnet. Zentrale Botschaften des Reports:
1. Noch ist die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs in diesem Jahrhundert auf weniger als 2 Grad möglich. Beim derzeitigen Emissionstrend ist aber mit 3,5 bis 5,4 Grad zu rechnen.
2. Die Risiken, mit denen bei den jeweiligen Szenarien zu rechnen ist, unterscheiden sich gravierend. Zwar gibt es auch schon bei zwei Grad Temperaturanstieg erhebliche Gefahren etwa für wichtige Ökosysteme oder in Bezug auf extreme Wetterereignisse. Bei 3,5 bis 5,4 Grad aber steigt das Risiko flächendeckend auf ein hohes bis sehr hohes Niveau. Selbst die Möglichkeit, in diesem Jahrhundert Kipp-Punkte zu überschreiten, die ganze Kontinente umgestalten oder erheblichen irreversiblen Meeresspiegelanstieg anstoßen, ist dann hoch.
3. In keinem Teil der Welt ist man auf die schon jetzt nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels ausreichend vorbereitet.
4. Je später die Staaten gegen die noch vermeidbare Verschärfung des Klimawandels vorgehen, desto schwieriger und teurer wird es. Die Zahl der Studien und Daten, auf die sich die Wissenschaftler in Yokohama stützen konnten, hat sich im Vergleich zum letzten Report 2007 ungefähr verzehnfacht. Entsprechend größer ist die wissenschaftliche Sicherheit und Genauigkeit der vorgelegten Ergebnisse.

„Der Bericht zeigt zudem deutlich, dass international die Ernährungssicherheit wegen des menschgemachten Klimawandels abnehmen wird“, sagt Sabine Minninger von Brot für die Welt. „Schon bei einem Grad Erwärmung werden die Erträge von wichtigen Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Reis oder Mais in vielen Regionen der Welt zurückgehen. Derzeit steuern wir aber eher auf vier Grad oder mehr zu, wodurch die Risiken für die Ernährungssicherheit und die Wasserversorgung ganz massiv zunehmen.“

Bals: „Die Bundesregierung verweigert die zugesagte Unterstützung“

Konkreter als bisher benennen die Wissenschaftler auch die Finanzierungslücke für die notwendige Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern. In der Langversion des IPCC-Berichts wird diese auf 4 bis 109 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Hier sieht Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, Handlungsbedarf für die deutsche Politik: „Die Bundesregierung verweigert selbst die schon zugesagte Unterstützung. Im Haushaltsentwurf ist kein Cent eingestellt, um den lange verhandelten internationalen Klimafonds mit Geld zu füllen, der Entwicklungsländer bei Klimaschutz und Anpassung unterstützen soll.“ Sabine Minninger ergänzt: „Anders als im Koalitionsvertrag versprochen, ist bisher auch nicht vorgesehen, vom geplanten Aufwuchs der Entwicklungshilfe um zwei Milliarden Euro einen Teil für Klimaschutz und -anpassung bereitzustellen.“

„Immer deutlicher wird, dass wir unsere Kinder bei einem ungebremsten Klimawandel dazu verurteilen, auf einer anderen Erde zu leben“, sagt Christoph Bals. „Das Unbewältigbare vermeiden, das Unvermeidbare bewältigen – vor diese doppelte Aufgabe stellt uns der IPCC-Bericht. Starke Klimaziele und die notwendige Klimafinanzierung sind jetzt die zentralen Aufgaben für die EU.“

Kontakt für Medien:

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, ist heute von 6 bis 9 Uhr für O-Töne und/oder Telefoninterviews erreichbar – danach nur noch eingeschränkt. mobil: 0174/327 56 69, e-mail: bals@germanwatch.org
alternativ Kontakt über: Stefan Küper, Pressereferent, mobil: 0151/252 11 072, e-mail: kueper@germanwatch.org
Sabine Minninger, Referentin für internationale Klimapolitik, Brot für die Welt. Sie ist für O-Töne und/oder Telefoninterviews ab 6 Uhr ganztägig erreichbar.
Kontakt: mobil: +49 (0) 152 -22701676, e-mail: sabine.minninger@brot-fuer-die-welt.de

1 Comment

  1. Betteln ohne politische Werbetrommel geht wohl nicht

    Die Industrienation haben in den letzten 60 Jahren einig 1000 Milliarden € an Entwicklungshilfe geleistet. Was ist daraus geworden. Die Verhältnisse haben sich rapide verschlechter, die Bevölkerungszahl der Entwicklungsländer ist um das 5 – 10 fache gestiegen, ohne das in die Infrastruktur, das Gesundheitswesen oder das Bildungswesen investiert wurde.

    Die religiösen Bauernfänger haben sich prächtig ausgebreitet und rufen heute zur Jagd auf andersdenkende Menschen auf. Die politische Clans von Despoten wie Mubarak, Ben Ali, Idi Amin, Hussein, Gaddafi usw. haben riesige Vermögen geklaut, die teilweise höher sind als der Schuldenstand des Landes.

    Da müssen unbedingt neue Gelder reingesteckt werden, sonst muss der neue Diktator seine Ferrari gar selber bezahlen und sein neuer Palast hat nur einen Messingtürgriff statt aus 24 Karat Gold. Das wäre unter seiner Würde

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