Wenn der Herrgott Blut sehen möchte: Göttliche Heimsuchungen und animalische Triebe


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Auf dem Papier sind die Kriterien, nach denen ein Täter in Deutschland und in Amerika als unzurechnungsfähig gilt, nicht allzu verschieden. In der Praxis ist diese Verteidigungslinie jenseits des Atlantiks jedoch schwerer durchzufechten. Martin Rath zeichnet die Spuren der „insanity“-Verteidigung vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach.

Legal Tribune – Martin Rath

Zwei Attentate, auf den britischen König George III. und den US-Präsidenten Ronald Reagan, verübt am 15. Mai 1800 und am 30. März 1981, markierten für das angelsächsische Recht bemerkenswerte Wendepunkte in der Wahrnehmung von Straftaten, die im Wahnzustand begangen wurden. Dass damit zwei Staatsoberhäupter ihre Rolle auf der rechtshistorischen Bühne bekamen, deren geistige Gesundheit jeweils selbst aus guten Gründen in Zweifel stand – der britische Monarch aus der berüchtigten hannoveranischen Adelsfamilie fiel psychisch völlig aus, Reagan wurde noch vor seiner manifesten Demenz-Erkrankung auffällig – zählt dabei zu den freundlichen, wenn auch randständigen Ironien des Wahns im Recht.

Gar nicht ironisch und noch weniger freundlich ist die – vermutlich vorsichtige – Schätzung, der zufolge von den rund 2,5 Millionen Strafgefangenen der USA über 280.000 als schizophren oder manisch-depressiv diagnostiziert werden müssten und weitere knapp 550.000 psychisch Kranke unter strafrechtlicher Bewährungsaufsicht stehen, statt primär behandelt zu werden.

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Studie „When God Demands Blood: Unusual Minds and the Troubled Juridical Ties of Religion, Madness, and Culpability“

1 Comment

  1. Der Soziologe Gregory Paul veröffentlicht 2005 im Journal of Religion and Society im Vol.7 eine Studie über die gesellschaftlichen Folgen der Bigotterie in wohlhabenden Demokratien und nutzt dazu Umfragen und Statistiken zu eindeutigen Straftaten und Verhaltensweisen Das Material berücksichtigt Industrieländer mit etwa 800 Mio. Menschen. Die Studie widerlegt die oft genutzte Behauptung der Gotteshumbug eines himmlischen Zombie ist Garant für eine bessere Gesellschaft. Im Gegenteil gibt es deutlich mehr Mord, Gewalt, Not, Sterblichkeit junger Menschen, sexuell infizierte Krankheiten, 800.000 Schwangerschaften/Jahr von Minderjährigen, Abtreibungen, Vergewaltigungen, Amokläufe, Drogendelikte usw. Nach einer Umfrage von 2013 des Federal Bureau of Prisions sind unter 1% der 2,3 Millionen Gefängnisinsassen Atheisten.

    Die USA als dysfunktionalste Demokratie schneidet immer fataler ab, das Land rangiert 2013 als Industrienation auf Platz 24 von 142 Ländern weiter unter Canada, Norwegen, Dänemark, Schweden, Neuseeland usw. Die Unvereinbarkeit von Bigotterie mit der Wissenschaft führt zu Gewalt, Fanatismus mit Massakern, Unbildung, hoher Kriminalität, Psychosen und Rassismus.

    Farbige stellen 75% der durch DNA-Tests belegten Fehlurteile, im forensischen Kriminallabor Dallas lagern 2007 etwa 19.500 Proben von unbearbeiteten Fällen von Vergewaltigung, es stört niemand. Die USA hat mit 2,3 Mio. Gefängnisinsassen das 9-fache der EU-28 bei 300-fach höheren Zahl an Geschlechtskranken. Der Soziologe Paul Kellermann berechnet detailliert für den US-Gefängnisplatz je nach Sicherheitsstufe 25.000 – 50.000 US$/Jahr, in der Summe etwa 70 Milliarden US$/ahr um die zu 99% lieben guten Christen dauerhaft einzusperren.

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