Todesstrafe und Fehlurteile


Bild: amnesty.ch
USA: Wissenschaftler schätzen den Anteil der unschuldig zum Tode Verurteilten auf 4 Prozent, während ein Richter des Obersten Gerichts von einer Erfolgsquote von 99,9 % bei Verurteilungen ausgeht
In den Veröffentlichungen der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) findet sich aktuell eine Studie, die mit einigem theoretischem Aufwand zu einem Ergebnis kommt, das ein ägyptisches Gericht Pi mal Daumen praktiziert: Unschuldig wegen Mordes Angeklagte werden in der Mehrheit weder hingerichtet noch entlastet, sondern sie sitzen lebenslänglich im Gefängnis und werden vergessen.

Von Thomas PanyTELEPOLIS

Die Fragestellung, die sich das US-Wissenschaftsteam um den ehemaligen Strafverteidiger Samuel R. Gross, derzeit Rechts-Professor auf Forschungen mit Spezialgebiet „Fehlurteile“, gestellt hat, ist anspruchsvoll. Man wollte die Quote von Fehlurteilen bei Angeklagten in den USA, die eines Schwerverbrechens beschuldigt wurden, ermitteln.

Diese Quote aber nicht nur „unknown but unknowable“, also nicht nur unbekannt, sondern auch unmöglich zu ermitteln, wird die Fachwelt am Anfang der Studie zitiert. Dies empfanden die Forscher als Herausforderung. Ebenso wie sie wohl die Aussage von Antonin Scalia, Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten, provoziert haben muss, der 2007 in einer Entscheidung des Supreme Courts statuierte, dass amerikanische Verurteilungen eine Fehlerrate von bloß 0,027 aufweisen, also eine Erfolgsrate von 99,973 Prozent aufweisen. Die Aussage wird in der Studie erwähnt – mit dem für eine wissenschaftliche Arbeit bemerkenswerten lakonischen Kommentar:

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