Homosexualität: Wo bleibt die Freiheit der anderen?


Es ist jedem freigestellt, wie er Homosexualität bewertet / Ein Plädoyer für den Schutz einer neuen Minderheit

Von Christian HillgruberFrankfurter Allgemeine

Es kommt nicht selten vor, dass Sieger sich nicht mir ihrem Sieg allein zufriedengeben, sondern die Besiegten auch noch demütigen wollen. Sie sollen nicht nur ihre Niederlage eingestehen, sondern auch bekennen, dass sie für die falsche Sache gestritten haben und ihrem „Irrtum“ abschwören.

So weit scheint es mittlerweile auch schon im Streit um die „Normalität“ von Homosexualität gekommen zu sein. Obwohl es sich um eine kleine Minderheit handelt, die in einer Demokratie eigentlich durchsetzungsschwach sein müsste, ist es der Gruppe der Homosexuellen in Deutschland, im westlichen Europa und in Nordamerika dank einer eindrucksvollen Lobbyarbeit gelungen, ihre Agenda voller Gleichberechtigung und Gleichstellung mit der heterosexuellen Mehrheit zu einer Agenda der Mehrheitsgesellschaft zu machen.

weiterlesen

2 Comments

  1. Wenn wir die Allgemeinen Menschenrechte endlich ernst nehmen würden, und aufhören unsere Kinder mit bronzezeitlichen Mythen und Fabeln aus Heiligen Büchern zu ideologisieren, bräuchte sich unser Bonner Jurist auch nicht so zu verbiegen. 😉

    Seit wann muss die Mehrheit vor einer ganz kleinen Minderheit geschützt werden? Wohl nur, wenn der Mehrheit offensichtlich die reale Welt nicht mehr gefällt und ihr intellektuell die Argumente abhanden gekomnen sind.
    😉

    Liken

  2. „Es ist das gute Recht Homosexueller, ihre Homosexualität zu leben. Aber sie können nicht verlangen, dass auch alle anderen ihre Lebensweise für ein gutes Leben halten und positiv bewerten oder sich andernfalls einer Bewertung gänzlich enthalten. Nein, sie müssen sich, wie jeder andere, auch gefallen lassen, dass ihr Lebensstil von anderen anders, auch negativ moralisch bewertet wird. Dies hindert sie ja nicht an ihrer Freiheitsausübung und tastet, sofern die negative Bewertung nicht den Charakter einer persönlichen Beleidigung annimmt, auch nicht ihre Menschenwürde an. Umgekehrt müssen es die Gegner der Homosexualität hinnehmen, für ihre Haltung – auch scharf – kritisiert zu werden. Das ist Teil des geistigen Meinungskampfes mit der wechselseitigen Zumutung konträrer Ansichten“, so CHRISTIAN HILLGRUBER in der FAZ-online.

    Klingt gut, tolerant rechtsstaatlich sattelfest. Und doch ist es Unsinn.

    Wie oft muss man es eigentlich noch wiederholen, bis es auch der Letzte kapiert? Homosexualität ist kein Lifestyle, kein Chic, keine Lebensweise so aus Spaß. Gleichgeschlechtlichkeit haben sich die Betroffenen nicht ausgesucht, wie man sich ein skurriles Hobby zulegt, das die Umwelt kopfschüttelnd aber tolerierend hinnimmt. Niemand gebietet über die Farbe seiner Augen und es kommt (hoffentlich) niemandem in den Sinn, Menschen mit bspw. blauer Augenfarbe den Zutritt zu Hotels, Gaststätten, Diskos etc. zu verweigern, weil er den Lebenssstil blauäugiger Menschen moralisch für verwerflich hält – das wäre doch ein ganz und gar absurder Gedanke.

    Vor solchen Absurditäten aber schreckt man nicht zurück, wenn es um die sexuelle Orientierung (ich wiederhole: , die sich niemand in einem Akt des Willens zulegt) geht. Offenbar ist der Blick durch jahrhundertelange moralisch-christliche Leibfeindlichkeit derart getrübt, dass jegliches Aufbegehren und das Erkämpfen von Selbstbestimmung auf dem Gebiet der Geschlechtlichkeit immer noch als Bedrohung empfunden werden. Da redet man dann von der „verfolgten Mehrheit“, die zur Minderheit erklärt wird, die vor der übermächtigen Homolobby geschützt wrden muss.

    Die moralische Verurteilung, das Herabsetzen von Menschen, die nichts verbrochen haben als „anders“ zu sein, soll nun vor der Meute derer geschützt werden, die nach Jahrtausenden der Diskriminierung und Menschenjagd, derer sie ausgesetzt waren und in vielen Teilen der Welt immer noch sind, allmählich die Geduld verlieren und immer lauter ihr Recht auf ihr bloßes Sein einfordern.

    Herrn Hillgruber empfehle ich, sich in einer ruhigen, nach-denklichen Stunde seinen Beitrag noch einmal vorzunehmen und die Wörter „Homosexuelle“, „Homosexualität“ und „die Lobby der Homosexuellen“ (als wenn es hier um wirtschaftliche Interessenvertretung zur Erreichung pekuniärer Ziele ginge) durch die Wörter „Juden“, „Judesein“ und „die Judenlobby“ zu ersetzen. Vielleicht wird dann besser erkennbar, warum die Verteidigung der „verfolgten Mehrheit“ so entsetzlich daneben greift.

    Liken

Kommentare sind geschlossen.