The American Way of Death


Mumia Abu-Jamal, Bild: wikimedia.org/qualifies as fair use under United States copyright law
Die Todesstrafenpraxis der Vereinigten Staaten ist nichts anderes als offene Folter

Von Mumia Abu-Jamal jW

Am 29. April sollte der 38jährige Clayton Lockett auf einer Hinrichtungspritsche der Strafvollzugsbehörde des US-Bundesstaates Ohio in Oklahoma City mit der Giftspritze getötet werden. Nach Augenzeugenberichten krümmte und wand er sich und stöhnte unter den brennenden Schmerzen, die ihm mit der Injektion zugefügt wurden. Er versuchte noch, Wörter herauszupressen, strampelte mit seinen Beinen und rang volle 43 Minuten mit dem Tod, nachdem ihm der Giftcocktail in die Venen gespritzt worden war. Es war eine experimentelle Mischung der Chemikalien Midazolam, Vecuronium und Kaliumchlorid, die zuerst seine Atmung lähmen und dann sein Herz zum Stillstand bringen sollten – allerdings auf eine relativ schmerzlose Weise. Das ging jedoch schief, denn er verlor offenbar während der ganzen Prozedur zu keiner Zeit sein Bewußtsein. Erst mehr als zehn Minuten, nachdem die Hinrichtung auf Anordnung von Oklahomas Strafvollzugsdirektor Robert Patton abgebrochen worden war, blieb Locketts Herz stehen, und er verlor sein Leben durch einen Herzinfarkt.

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8 Comments

  1. Noch etwas: Bei der Verurteilung zur Todesstrafe und ihrer Vollstreckung macht sich der Staat genau des Verbrechens schuldig, das er ahndet:
    Er mordet.
    Außerdem mordet er aus niedrigen Beweggründen.
    Oder wie soll man die Tötung eines wehrlos auf der Pritsche Gefesselten anders bezeichnen als einen gemeinen Mord? Die Tat wird vorsätzlich begangen, der Staat handelt hierbei nicht im Affekt und auch nicht in Notwehr.
    Schließlich das Motiv: Die Tötung geschieht aus niedrigem Beweggrund: Rache. Während europäischer Strafvollzug der Verhinderung weiterer Straftaten dienen soll (der Gewaltverbrecher wird durch Gefängnisstrafe an der Ausübung weiterer Taten gehindert) und auch die Chance zu Besserung beinhaltet (nach Verbüßen der Strafe), ist die Vollstreckung der Todesstrafe endgültig, sie nimmt dem Täter jegliche Chance auf Besserung. Spätestens hieran wird das Motiv erkennbar: Es geht nicht darum, weitere Straftaten auch dadurch zu verhindern, dass sich der Täter bessert, indem er seine Tat bewertet und künftig davon absieht. Auch geht es nicht um den Schutz weiterer potenzieller Opfer oder der Allgemeinheit dadurch, dass man nicht therapierbare, gefährliche Täter dauerhaft einsperrt, es geht um etwas anderes: Das archaische Bedürfnis tief verletzter Opfer und ängstlicher Bürger nach endgültiger Befreiung vom Angstauslöser und nach Rache für das Angetane erfährt in der öffentlichen Vollstreckung seiner Auslöschung seine tiefe Befriedigung. Erst wenn der Unhold tot darniederliegt, kann sich die aufgewühlte Seele beruhigen, ist ihrem Bedürfnis nach Vergeltung Genüge getan.
    Dass dabei dem ursprünglichen Verbrechen ein weiteres hinzugefügt wird, kümmert die aufgebrachte Menge nicht, kümmert auch den Staat nicht, der sich nicht aus diesem alten Denken aus „Auge um Auge“ löst. Und so bleiben Staat, Gesellschaft und der einzelne Bürger im ewigen Teufelskreis aus Tat und Blutrache gefangen, eine Gesellschaft behindert sich selbst und gelangt erst gar nicht auf einen Weg aus der Gewaltspirale heraus.
    Was also kann aus einer Gesellschaft werden, deren Motive niedrig sind und bleiben? Sie wird das bleiben, was sie ist: Gewalttätig und damit archaisch-primitiv.

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    1. Ganz genau…und so ein schrecklicher Mechanismus wird sogar „vorsorglich“ in Gang gesetzt, wie bei den DrohnenMorden – auch von deutschem Boddn aus. Kein Richter, kein Staatsanwalt keine Geschworenen sind daran daran beteiligt…… 😉 😉 😉

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  2. @rhenus Ich kann mir auch gut vorstellen,das der lockere Umgang mit dem Verkauf von Waffen jemanden schneller zu Mörder werden lässt.Wenn man rasend vor Wut und Hass ist und hat eine scharfe Waffe griffbereit,wird aus einem körperlichen Angriff schnell ein Mord.Das passiert auch hier.

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  3. Siehe auch Kommentar zu späteren Bericht“Texas bsteht auf Todesspritze“

    Deshalb kann Amerika auch nicht dem Europarat beitreten, sondern muss am Katzentisch als Beobachter Platz nehmen, weil wir eben in Europa nur zivilisierte Länder nach Strassburg einladen. 😉

    Im übrigen hat der “Bösewicht vom Dienst in unseren Leitmedien” Wladimir Putin (der auch gerne von politischen Dumpfbacken -hier wie anderswo- mit Hitler und Stalin in einen Topf geworfen wird) durch den Beitritt Russlands zum Europarat ausgelöst, 2006 die Todesstrafe in Russland abgeschafft. 🙂

    Eine zivilisatorische Leistung Putin’s , die selbst der “Friedens”Nobelpreisträger Barack Obama für das Erfinderland der politischen Menschenrechte, die USA nicht schaffen würde. 😉

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  4. Bei Mord wird mit voller Absicht getötet. Dabei macht sich der Täter wahrscheinlich keine Gedanken darüber wie sein Opfer leidet. Hätte er überdacht was ihm im Falle seiner Überführung blüht, könnte sein Opfer eventuell noch leben und er selbst bräuchte keine Angst vor seinem eigenen, frühzeitigen, gewaltsamen und vielleicht qualvollen Tod (durch seine, dann sozusagen, legitim-mordende Obrigkeit) zu haben.
    (Trotzdem bin ich ein Gegner der Todesstrafe!)

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    1. Wie kommt es eigentlich, dass in den USA – einem Land mit der Todesstrafe als Abschreckung – mehr Morde pro Kopf der Bevölkerung verübt werden als in den „nachsichtigen“ Ländern des Europarates?

      Warum sitzen in den USA fast 9 mal soviel Menschen ein wie bei uns in Europa?…. 😉

      Kann das vielleicht an der grösseren Gewaltbereitschaft der amerikanischen Gesellschaft liegen, einem Land in dem sogar Schulen- und Kindergärten Waffendepots unterhalten und bewaffnete Polizisten „den Unterricht sichern“. 😉

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