Sozialdemokratische Gänsehaut des Rechtspopulismus


gänsehaut_spdWahlkampf ums Europa-Parlament. Der sozialdemokratische Spitzenkandidat Martin Schulz will es wieder packen.
Die Partei der christlichen Hinterwäldler hält dagegen und meint mit ihrem Spitzenkandidaten fürs  Europaparlament, Markus Ferber, etwas Rechtspopulismus in die Diskussion einzubringen. Zur Thematik der Flüchtlingspolitik bringt CSU-Färber sinngemäß zum Ausdruck, mit Schulz hätten die Schlepperbanden einen Geschäftsführer gefunden.
Was wiederum den Herrn Gabriel zu folgendem Satz veranlasste: „Wenn man mit Flüchtlingspolitik so umgeht, wie das die Antieuropäer und die Rechtspopulisten tun, dann muss man sich nicht wundern, wenn deren Sprüche hoffähig werden.“
Gabriel weiter, „Dann kriegen Sozialdemokraten eine Gänsehaut. Das ist ungefähr das, was man Willy Brandt in den sechziger und siebziger Jahren vorgehalten hat.“
Da bekommt der Herr Gabriel eine Gänsehaut. Bemüht man die lange sozialdemokratische Parteigeschichte wird man fündig, es gibt kaum eine Farbe im politischen Spektrum, in der sich die SPD inhaltlich nicht befunden hat und mit Wohlwollen politisch argumentierte. Von blutrot bis nazibraun. Bluthund Noske ist der eine, die sozialdemokratischen Parlamentarier im Reichstag etwas anderes.
So kommt es im März 1916 zu einer Auseinandersetzung: Hugo Haase, neben Ebert Vorsitzender der SPD, wich von der Parteilinie ab und kündigte im Reichstag die Verweigerung der Kriegskredite an. Zwischenrufe:“Drecksseele!“(Scheidemann, SPD) – „Schamloser Kerl. Frecher Halunke!“(Ebert, SPD) – „Die Judenjungen müssen raus!“(Bauer, SPD) – „Mit der Judenbande muss Schicht gemacht werden“(Legien, SPD). Nachzulesen in den Protokollen der Reichstagssitzung.
Bleibt die Frage zu beantworten, wie denn Herr Gabriel die Äußerungen der SPD-Mitglieder Bauer und Legien bewerten würde? Gänsehaut? Doch wohl nicht.
Januar 1919, Noske bereitet den Gegenschlag gegen die politischen Kräfte des Januaraufstandes vor. Er bekommt die Erlaubnis „alle notwendigen Mittel anzuwenden.“1 Noskes trockener Kommentar:“ Einer muss der Bluthund werden.“2

Ebert: „Die Stunde der Abrechnung naht.“3 Die Mordanweisung gegen Liebknecht und Luxemburg wurde lyrisch von Artur Zickler im Parteiblatt Vorwärts verkündet:

„Sie knieten hin vor blutigen Idolen,
bauchrutschten vor der Menschheit Spott und Hohn,
vor Russlands Asiaten und Mongolen,
vor Braunstein, Luxemburg und Sobelsohn.“4

Drei „jüdische Drahtzieher“ werden genannt, Braunstein und Sobelsohn waren die bürgerlichen Namen von Leo Trotzki und Karl Radek. Nebenbei hob der Vorwärts den Kampfbegriff des „jüdischen Bolschewismus“ aus der Taufe.

Wir reden hier nicht vom Dritten Reich und der Sprache der Nazis, es handelt sie hierbei um Top-Funktionäre der SPD und ihres Presseorgans.
Machen wir einen Sprung in die jüngere Geschichte der SPD und wir werden, was den Rechtspopulismus anbelangt fündig.

Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, 2005, zur Ministerzeit von Wolfgang Clement, SPD

Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, „Abzocke“ und Selbstbedienung im Sozialstaat.

Georg Kronawitter, 1992, Münchner Oberbürgermeister, SPD

Der Regelfall ist doch, dass Menschen, die hier ohne Pass ankommen, auf Betrug aus sind. Die wollen mehrfach kassieren und ihre Identität verschleiern.

Gerhard Schröder, 1997, Ex-Bundeskanzler, SPD

Wir dürfen nicht mehr so zaghaft sein bei ertappten ausländischen Starftätern. Wer unser gastrecht missbraucht, für den gibt es nur eins: Raus, und zwar schnell.

Zum Abschluss des kleinen sozialdemokratischen Rassismus-Streifzuges noch Thilo Sarrazin, derjenige also, dem man unterstellt, den Rechtspopulismus in Deutschland salonfähig gemacht zu haben.

Thilo Sarrazin

Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung.

Sozialdarwinismus, Rassismus und eine gehörige Portion Antisemitsimus in der sozialdemokratischen Parteigeschichte. Angesichts des hier Zitierten beschreibt der Begriff Gänsehaut die humanistische Unterkühlung nicht ausreichend. Vielleicht ist das ja bei Herrn Gabriel anders, hat er doch genug natürliche Isolation.


1Original der Ernennungsurkunde Noskes in BA-SAPMO, Nachlass Noske,NL56/3. Bl39.
2Gustav Noske, Von Kiel bis Kapp, Berlin 1920, S.68.
3Anschlag der Regierung vom 8. Janur 1919, unterschrieben mit Ebert, Landsberg, Scheidemann, Noske, Wissel.
4Vorwärts Nr. 34, vom 12.1. 1919.