Vor 80 Jahren: Hitler spaltete evangelische Christen


Hitler begrüßt den evangelischen Reichsbischof Johann Heinrich Ludwig Müller 1934 in Nürnberg. Bild: diewelt.de
Als Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler gewählt wurde, führte dies zu einer Spaltung unter den evangelischen Christen im Deutschen Reich. Unter dem Namen Deutsche Christen versammelten sich nationalsozialistische Kirchenmitglieder, die in Hitler eine Art Messias sahen und für eine Symbiose von Christentum und nationalsozialistischer Ideologie eintraten.

Von Matthias BertschDeutschlandfunk

„Der erste Satz, in dem im Grunde schon alles enthalten ist, was dieses Bekenntnis ausmacht, lautete: Jesus Christus, wie er uns in der heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“

„Barmer Theologische Erklärung“ verabschiedet

Der protestantische Pfarrer Martin Niemöller war einer von über 130 Vertretern lutherischer, reformierter und unierter Kirchen, die sich vom 29. bis 31. Mai 1934 in Wuppertal-Barmen zur ersten Bekenntnissynode der evangelischen Kirche in Deutschland versammelten. Am letzten Tag ihres Treffens verabschiedeten sie die „Barmer Theologische Erklärung“, die aus sechs Thesen bestand. Der Aufbau der Thesen war immer der gleiche: Zunächst ein Bibelwort, dann ein Bekenntnissatz und schließlich ein Verwerfungssatz – und genau diese Verwerfungssätze machten deutlich, worum es im Kern ging.

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2 Comments

  1. Zu Hitler beten anstelle Jesus, man war kurz davor

    “In Hitler ist die Zeit erfüllt für das Deutsche Volk, denn durch Hitler ist Christus, Gott, der Helfer und Erlöser, unter uns mächtig geworden. Darum ist der Nationalsozialismus positives Christentum der Tat. Hitler ist jetzt der Weg des Geistes und Willens Gottes zur Christuskirche deutscher Nation” (EKD 1934).

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  2. Das waren offensichtlich nur erbärmliche Versuche das Gesicht zu wahren, aber trotzdem per Konkrdat ktäftig abzukassieren

    Im Dritten Reich gibt es 62,7% evangelische und 32,5% katholische Christen, fast alle Mörder, Kriegsverbrecher und KZ-Schergen sind „gute“ Christen. Die Oberhirten der Kirchen loben das NAZI Regime in höchsten Tönen als wäre Adolf Hitler der Messias in Person. Bei nur 10% NSDAP-Mitgliedern sind Priester/Pfarrer und Lehrer zu 50% treue NSDAP Genossen.

    Hinterher ist es keiner gewesen, keiner hat gejubelt, das Regime hat viel Gutes getan, niemand hat je von den KZ-Morden gehört – bis die Kinder im Nachlaß peinliche Dokumente finden über höchste NAZI Orden, Karrieren bei der NSDAP oder Waffen SS oder gar Raub jüdischen Eigentums.

    Die moralisch edlen NAZI-Christen betreiben eigene Arbeitslager mit „minderwertigen Elementen“ und vermieten sie als billige Arbeitssklaven, die Kriegsindustrie deckt bis zu 25% des Bedarfs. Im November 1933 wird das Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher über Maßregeln der Sicherung und Besserung die Maßregel im Arbeitshaus eingeführt. Neben psychiatrischen Krankenhäusern (wie heute), Entziehungsanstalt oder Sicherungsverwahrung ist die Unterbringung in einem Arbeitshaus (StGB § 42d) zwingend vorgesehen.

    Der evangelische Generalsuperintendent Otto Dibelius schleimt 1933 geradezu widerwärtig:
    „Die Kirche „kann und darf den Staat nicht daran hindern, mit harten Maßnahmen Ordnung zu schaffen. Sie werden es erleben, dass das, was jetzt in Deutschland vor sich geht, zu einem Ziele führen wird, für das jeder dankbar sein kann, der deutsches Wesen liebt und ehrt. Die Kirche habe weiterhin aber auch „den Wunsch, das Dritte Reich möge bald so gefestigt sein, dass ´die Gewalt nicht mehr nötig ist.“

    Der evangelische Landesbischof und Parteigenosse August Marahrens gelobt 1936 Hitler ewige Treue, auch noch 1944 nach dem Hitler Attentat:
    „Wir wiederholen es […], dass wir unzählige Male seit dem Anbruch unseres nationalsozialistischen Staates öffentlich und feierlich erklärt haben: daß wir in Opferbereitschaft und Treue für diesen Staat einzutreten bereit sind. Es ist also bis auf diese Stunde die Verdächtigung politischer Unzuverlässigkeit unbegründet und, von wo aus sie auch versucht werden sollte, nachdrücklich und feierlich abzuweisen.“

    Der EKD-Präses Wilhelm Mensing-Braun bescheinigt 1960 dem NSDAP Freund Adolf Eichmann eine „grundanständige Gesinnung, ein gütiges Herz, große Hilfsbereitschaft, er wäre für ihn nicht vorstellbar, dass Eichmann je zu Grausamkeit oder verbrecherischen Handlungen fähig gewesen wäre“.

    Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ von 1933 entspricht den Forderungen der Anstaltsleiter der evangelischen Inneren Mission aus ihrer Treysaer Erklärung von 1931. Behinderte, Blinde, Taube, Stumme, Epileptiker, Alkoholiker, Homosexuelle, seelisch Kranke und politische Gegner werden als „schwachsinnig“ selektiert und eingekerkert.

    Ab 1940 werden die „Schwachsinnigen“ vergast wie schon auf der Konferenz in Treysa gefordert. Karl Todt als Direktor der evangelischen Heilerziehungs- und Pflegeanstalt und andere Diakonie-Leiter feiern das NAZI-Gesetz von 1933 zur Verhütung erbkranken Nachwuchses:
    „Wie freudig begrüßten wir die rassenpflegerischen Maßnahmen unseres Führers, die der Auftakt sind, die Übel von der Wurzel an zu bekämpfen. So stehen wir zum Dienste bereit, Handlanger zu sein am Bau des Reiches Gottes und am Bau des neuen, des Dritten Reiches“.

    Pauline Kneissler als Pflegerin evangelischer Euthanasie im KZ Schloss Grafeneck wählt täglich 70 Selektierte zur Vergasung aus. Sie rechtfertigt das als frommer Christ weil der „Tod durch Gas nicht wehtut“.

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