„Ich bin ein Mensch, der zu den Affen zählt“


Volker Sommer, Bild: cicero.de
Die Trennung in Mensch und Affe habe aus evolutionsbiologischer Sicht keinen Sinn mehr, sagt der renommierte Primatologe Volker Sommer. Er fordert Grundrechte für Menschenaffen. Interview mit einem Affenmenschen.

Timo Stein im Interview mit Volker SommerCicero

Herr Sommer, Sie sagen über sich selbst, Sie seien ein Affenmensch. Wie darf ich denn das verstehen?
Durch dieses Selbstbekenntnis werbe ich für eine bereicherte Weltsicht, die die Erkenntnisse der Evolutionstheorie ernst nimmt. Dazu zählt, dass wir mit allen anderen Lebensformen auf Erden durch eine ununterbrochene Kette von Generationen vereint sind, durch Jahrmilliarden hindurch. Selbst mit Bakterien, Pilzen und Eichen bin ich durch einen Informationsfluss verbunden, der nie abgerissen ist. Weniger lange ist es her, seit ich einen Ahnen mit Austern, Spinnen und Kakerlaken teilte. Und jene vielleicht 60 bis 90 Millionen Jahre, als die ersten Primaten ihren evolutiven Eigenweg einschlugen, sind in erdgeschichtlicher Perspektive ein ziemlich kurzer Zeitraum. Weil wir mit Worten unser Selbstverständnis konstruieren, halte ich es für eine gute Übung, das Faktische auch auszusprechen: Ich bin ein Wirbeltier; ich bin ein Säugetier; ich bin ein Mensch, der zu den Affen zählt.

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