Weltanschaulich neutraler Staat und politischer Gotteswahn


Satire-Cartoon: Staat und Kirche im Bett
Satire-Cartoon: Staat und Kirche im Bett
Auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, im sächsischen Moritzburg, forderte der ehemalige Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Manfred Stolpe, dass die Kirchen sich „stärker und wirksamer in gesellschaftliche Fragen einmischen.“ Klingt schon fast nach Nötigung oder entsprechend, lasst uns den weltanschaulich-neutralen Staat begraben, die fiktive Trennung von Staat und Kirche brauchen wir nicht mehr zu belügen.

Zu jeder Zeit waren die Kirchen immer dort zu finden, wo weltliche Macht schalten und walten konnte. Die enge Verbindung von Klerus zum Feudaladel kam nicht von ungefähr.

Volker Kauder, Fraktionsvorssitzender der CDU/CSU-Bundestagfraktion, erklärt in einem Welt-Artikel warum wir das Christentum brauchen. Offensichtlich stören die säkularen Maßstäbe des modernen Staates. Religionskriege, Auseinandersetzungen im Rahmen der Aufklärung scheinen vergessen. Der säkulare Staat kümmert sich nicht mehr um das geistliche Wohl und Seelenheil seiner Bürger. So sollte es sein, die Praxis ist eine andere. Die Rolle des Feudaladels, im Zusammenspiel von Staat und Religion haben heutzutage die Politiker eingenommen, man kann durchaus von religiöser Zuhälterei sprechen. Der Widerspruch ist offensichtlich. Gegen den Trend, also azyklisch, verkünden Christen-Politiker ihren Glauben, trotz fallender Mitgliederzahlen in den großen Kirchen, trotz weiterer Säkularisierung, also Verweltlichung des Lebens der Menschen, Anders-und Ungläubige, immerhin an die 40% der Bevölkerung, werden schlicht und einfach ausgeklammert.

Billig nimmt man, von politischer Seite, in Kauf, dass demokratisch nicht legitimierte Körperschaften, Politik gestalten und religiös vermanschen. Ludwig Schick, der Erzapostel von Bamberg beklagt sich nun darüber, dass die Kirchen in der Öffentlichkeit stark kritisiert werden. Tja Herr Schick, wer öffentlich verkündet, noch dazu Falsches, wird öffentlich kritisiert, das ist eine Eigenschaft des politischen Diskurses. Der Rückzug auf außerweltliche Positionen klappt nur noch im Gottesdienst. Angesichts der Skandale, ganze Heerscharen notgeiler Priester konnten sich an Kindern sexuell austoben, eine geradezu normale Reaktion, die baumeisterlichen Skandale jüngster Apostelgeschichte erspare ich mir.

Politiker, von der CDU bis hin zur Linken, sind die Steigbügelhalter religiösen Lobbyismus, ob nun am Sitz des Bundestages oder beim europäischen Parlament, in den Rundfunkräten und Ethikkommissionen, lassen sie zu, dass religiöse Strukturen in die Belange der Menschen eingreifen, ignorierend, ob diejenigen es überhaupt wollen.
Religiöse Überzeugungen sind für die meisten Menschen, im Zusammenleben, nicht wichtig. Völlig konträr und gestrig, die grundgesetzlich sanktionierte Eigenständigkeit der Kirchen, Parallelwelt im Arbeitsrecht und nicht nur da.

Religionsfreiheit ja, aber nicht unter der Prämisse, alle anderen Individuen der Gesellschaft in christliche Geiselhaft nehmen zu wollen.

Immanuel Kant:

„Ich nehme erstlich folgenden Satz als einen keines Beweises benötigten Grundsatz an: alles, was außer dem guten Lebenswandel der Mensch noch tun zu können vermeint, um Gott wohlgefällig zu werden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes.“

Politik die mehr als einen guten Lebenswandel fordert ist Afterdienst göttlicher Art.

1 Comment

  1. Mein abgebildeter Cartoon zeigt nicht, dass Staat und Kirche miteinander ins Bett gehen, sondern ein Zimmer im Krankenhaus, in dem sich die „siamesischen Zwillinge“ Staat und Kirche befinden, um getrennt zu werden, was einen der Ärzte zu der erstaunten Äußerung veranlasst, er glaubte, die beiden wären schon längst getrennt..

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