Historikerin: Gleichgültigkeit der Kirchen begünstigte Judenverfolgung


Propaganda der "Deutschen Christen" in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Propaganda der „Deutschen Christen“ in Berlin (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0109-502 / CC-BY-SA)
Die evangelische Kirchenhistorikerin Dorothea Wendebourg hat die kirchliche Mitverantwortung für die Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus bekräftigt.

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Die „starke Gleichgültigkeit“ der Kirchen während des Nationalsozialismus in Deutschland sei viel schlimmer gewesen als antijudaistische Aussagen, sagte Wendebourg am Donnerstagabend in Erfurt auf dem „Luther-Disput“ der Tageszeitung „Thüringer Allgemeine“.

Die Berliner Theologieprofessorin diskutierte mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Reinhard Schramm, über die Haltung des Reformators Martin Luthers zum Judentum. Luther habe in seinen Schriften den Antijudaismus der damaligen Zeit „auf die Spitze getrieben“, sagte Schramm. „Luther musste man in der NS-Zeit nicht missbrauchen, sondern nur benutzen.“ Die Auswirkungen seien fatal gewesen.

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2 Comments

  1. Man glaubt es kaum, die Judenverfolgung war eine rein christlich Veranstaltung der Deutschen Edelchristen. Im Dritten Reich gibt es 62,7% evangelische und 32,5% katholische Christen, fast alle Mörder, Kriegsverbrecher und KZ-Schergen sind „gute“ Christen. Die Oberhirten beider Kirchen loben das NAZI Regime in höchsten Tönen “In Hitler ist die Zeit erfüllt für das Deutsche Volk, denn durch Hitler ist Christus, Gott, der Helfer und Erlöser, unter uns mächtig geworden. Darum ist der Nationalsozialismus positives Christentum der Tat. Hitler ist jetzt der Weg des Geistes und Willens Gottes zur Christuskirche deutscher Nation” (EKD Müller 1934).

    Erfunden hat das wesentlich der große Prophet Marting Luther, der wieder einmal bejubelt werden soll, organisiert von Sufftante Käsmann. Martin Luthers Kriegshetze steht in NAZI Schulbüchern neben der von Rudolf Heß, Hermann Göring, Joseph Goebbels und Adolf Hitler in “Hirts Deutsches Lesebuch” und dient 1938 als Vorlage zur Reichskristallnacht: „Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen…; Man sollte ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, … unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien (…) ihre Häuser desgleichen zerbrechen und zerstören.“
    Martin Luther formuliert 1546 n.C. im Pamphlet „Von den Juden und ihren Lügen“ den christlichen Antisemitismus als Entwurf der „Endlösung der Judenfrage“ 1942 von Leuten wie Reinhard Heydrich, Adolf Eichmann und F.W. Kritzinger auf der Wannseekonferenz umgesetzt:

    Martin Luther als moralischer Drecksack definiert gerechte Kriege: “In solch einem Krieg ist es christlich und ein Werk der Liebe, die Feinde getrost zu würgen, zu rauben, zu brennen und alles zu tun, was schädlich ist, bis man sie überwinde. Ob es wohl nicht so scheint, daß Würgen und Rauben ein Werk der Liebe ist, weshalb ein Einfältiger denkt, es sei kein christliches Werk und zieme nicht einem Christen zu tun: so ist es doch in Wahrheit auch ein Werk der Liebe.” und weiter „Denn die Hand, die das Schwert führt und tötet, ist dann auch nicht mehr eines Menschen Hand, sondern Gottes Hand, und nicht der Mensch, sondern Gott henkt, rädert, enthauptet, tötet und führt den Krieg. Das alles sind seine Werke und sein Gericht“.

    Die Evangelen setzen die Judenhetze ihres Vordenkers nur allzu gerne um, gibt es doch etwas zu holen. Im Protokoll der Fuldaer Bischofskonferenz vom August 1933 heißt es: „Der Einrichtung von Gottesdiensten in Konzentrationslagern stehen Schwierigkeiten von Seiten der Lagerleitung angeblich nicht entgegen, die Einrichtung muß nach Bedarf von kirchlichen Stellen beantragt werden“ Die moralisch edlen NAZI-Christen betreiben eigene Arbeitslager mit „minderwertigen Elementen“ und vermieten sie als billige Arbeitssklaven, die Kriegsindustrie deckt bis zu 25% des Bedarfs.

    Der evangelische Generalsuperintendent Otto Dibelius schleimt 1933 wohl wissend was kommt: „Die Kirche „kann und darf den Staat nicht daran hindern, mit harten Maßnahmen Ordnung zu schaffen. Sie werden es erleben, dass das, was jetzt in Deutschland vor sich geht, zu einem Ziele führen wird, für das jeder dankbar sein kann, der deutsches Wesen liebt und ehrt. Die Kirche habe weiterhin aber auch „den Wunsch, das Dritte Reich möge bald so gefestigt sein, dass ´die Gewalt nicht mehr nötig ist.“ Der evangelische Landesbischof und NSDAP Genosse August Marahrens gelobt 1936 Hitler ewige Treue, selbst 1944 nach dem Attentat und den bekannten Juden Morden: „Wir wiederholen es […], dass wir unzählige Male seit dem Anbruch unseres nationalsozialistischen Staates öffentlich und feierlich erklärt haben: daß wir in Opferbereitschaft und Treue für diesen Staat einzutreten bereit sind. Es ist also bis auf diese Stunde die Verdächtigung politischer Unzuverlässigkeit unbegründet und, von wo aus sie auch versucht werden sollte, nachdrücklich und feierlich abzuweisen.“

    Das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ von 1933 basiert auf Forderungen der Anstaltsleiter der evangelischen Inneren Mission mit der Treysaer Erklärung von 1931. Direktor Karl Todt der evangelischen Heilerziehungs- und Pflegeanstalt und die Diakonie-Leiter feiern das neue Gesetz begeistert: „Wie freudig begrüßten wir die rassenpflegerischen Maßnahmen unseres Führers, die der Auftakt sind, die Übel von der Wurzel an zu bekämpfen. So stehen wir zum Dienste bereit, Handlanger zu sein am Bau des Reiches Gottes und am Bau des neuen, des Dritten Reiches“.

    Gemäß dem Gesetz werden Behinderte, Blinde, Taube, Stumme, Epileptiker, Alkoholiker, Homosexuelle, seelisch Kranke und politische Gegner werden als „schwachsinnig“ eingekerkert, wie es schon Martin Luther gefordert hat: „..dass man arme, blödsinnige und geistesgestörte Kinder, in denen man Teufelskinder zu erkennen glaubte, ertränken soll.“ Evangelische Behindertenheime wie Neuendettelsau/Bayern überweisen die Kranken ab 1940 an NSDAP kontrollierte Heime, welche die „Schwachsinnigen“ vergasen wie bereits auf der Treysa Konferenz der Inneren Mission gefordert. Pflegerin Pauline Kneissler der evangelischen Euthanasieanstalt Schloss Grafeneck wählt täglich 70 Selektierte zur Vergasung aus. Sie rechtfertigt sich als frommer Christ weil der „Tod durch Gas nicht wehtut“.

    Und 1945 war nicht etwa Schluß damit. Der EKD-Präses Wilhelm Mensing-Braun bescheinigt 1960 dem NSDAP Freund Adolf Eichmann eine „grundanständige Gesinnung, ein gütiges Herz, große Hilfsbereitschaft, er wäre für ihn nicht vorstellbar, dass Eichmann je zu Grausamkeit oder verbrecherischen Handlungen fähig gewesen wäre“.
    Elf evangelische Landesbischhöfe gründen im Mai 1939 auf der Wartburg ein 200 Mann Institut zur Entjudung des Christentums gegen die „Verseuchung mit jüdischen Ideen“ besonders im Alten Testament. Der christliche Glaube ist auf rassistische Einflüsse aus Palästina zu prüfen, jüdisch Minderwertiges ist aus den Kirchen und Texten zu entfernen, ein entjudetes Neues Testament, Katechismus und Gesangsbuch sind noch bis etwa 1980 in Gebrauch.

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