Ägypten nimmt Beschneidung nicht mehr hin


Bild: evangelisch.de
Staatlichen Statistiken zu Folge sind in Ägypten 81 Prozent der Frauen zwischen 15 und 19 Jahren beschnitten. In den Altersgruppen darüber sind es deutlich mehr. Erstmals steht ein Arzt wegen Totschlags vor Gericht.

Von Julia GerlachBerliner Zeitung

Staubige Straßen, Häuser aus roten Ziegeln: Diayrb Bektaris ist ein Dorf wie tausend andere in Ägypten und auch die Familie al-Bata’a unterscheidet sich kaum von der Mehrheit der Ägypter. Das gleiche gilt für Raslan Fadl, der im Dorf eine Arztpraxis betreibt. Er ist ein angesehener Mann. Deswegen versteht in Diayarb Bektaris auch kaum jemand, warum der Arzt und das Familienoberhaupt Mohammed al-Bata’a jetzt vor Gericht stehen; noch dazu wegen Totschlags und Genitalverstümmelung. Es geht um den Tod der 13-jährigen Sohair al-Bata’a. Sie starb vor einem Jahr, nachdem Doktor Raslan ihr die Klitoris entfernt hatte – in Ägypten ein Routineeingriff und vor allem in den armen Dörfern auf dem Land verzichtet kaum eine Familie darauf, ihre Töchter beschneiden zu lassen.

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