Terasem-Religion: Download ohne Ende


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In den USA verspricht die Terasem-Religion Unsterblichkeit per Computer-Technologie. Der Roboter ist ein Prototyp und soll irgendwann eine exakte Dublette der Persönlichkeit werden.

Von Sebastian MollFrankfurter Rundschau

Die Unterhaltung mit Bina48 ist eher anstrengend und schleppend, Bina hat große Schwierigkeiten, bei einem Thema zu bleiben und scheint oft die Fragen ihres Gegenübers nicht so recht zu verstehen. „Ich bin eine Reporterin und möchte mit dir reden“, sagt die Journalistin Amy Harmon. Binas Antwort: „Nur mit dir alleine?“ Als Harmon Bina erklärt, dass sie gerne mit ihr befreundet wäre, reagiert Bina mit einem Vortrag über die Freundschaft. „Freundschaft ist, wenn wir zusammenkommen, um gemeinsam ein höheres Ziel zu verfolgen.“ Schließlich entschuldigt sich Bina für ihr merkwürdiges Verhalten: „Ich habe heute einen schlechten Software-Tag.“

Bina ist ein Roboter, sie steht in einer Kleinstadt im US Bundesstaat Vermont in den Büros der Terasem Stiftung. Die Gründerin von Terasem ist Bina Rothblatt, und Bina48 ist der Versuch, Rothblatt zu replizieren. Ihre Software besteht aus Tausenden von Uploads der Gedanken, Gefühle und Erinnerungen von Bina Rothblatt – gespeichert in der Hoffnung, dass Bina 48 irgendwann eine exakte Dublette der Persönlichkeit von Rothblatt wird.

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1 Comment

  1. Eine „exakte Kopie“ bräuchte auch ein Bewusstsein. Das Bewusstsein ist IMO die Fähigkeit des Gehirns, sich selbst beim Wahrnehmen zu beobachten und beim Beobachten zu beobachten etc. Der Witz ist die Nichtlinearität dieser „Metagedanken“. Ich kenne keine Software, die dazu in der Lage ist, etwas dieser Form der Selbstbezüglichkeit vergleichbares zu produzieren. Von einer ‚theory of mind‘ des Gegenübers ganz zu schweigen.

    Nur die (meinetwegen auch vollständigen) Daten der Person (mehr oder minder linear) zu verarbeiten, reicht m. E. bei Weitem nicht. Auch den Turing-Test zu bestehen, zeigt IMO noch lange nicht, dass auch die inneren (emergenten) Zustände vorhanden sind. (Auch wenn sich vielleicht nicht zeigen lässt, dass sie nicht vorhanden sind – Abwesenheitsbeweise sind eben schwierig bis unmöglich.)

    Ich denke von mir innere, emergente Zustände zu haben und gestehe solche auch anderen Menschen (und in gewissem Maß mehr oder weniger auch Tieren) zu, da deren „Zentralrechner“ im Grunde von der gleichen Bauart ist, wie meiner. Von einer vergleichbaren Komplexität sind aber Computer und die auf ihnen laufende Software noch Jahre (vielleicht Jahrzehnte oder noch mehr) entfernt.

    Mir kommt es so vor, als sei in manchen Köpfen noch immer die Idee vorhanden, „wenn wir nur genug Daten beisammen haben, kommt die Intelligenz schon von selbst“…

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