„Die Hochzeit der Kirchenkritik ist vorüber“


Frieder Otto Wolf auf der Strategietagung in Berlin am 11. Januar 2014. Bild: HVD/BV
Interview mit Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands.
Am Wochenende kommen rund 70 Delegierte aus ganz Deutschland zur alle drei Jahre durchgeführten Bundesversammlung in Berlin zusammen. Im Interview spricht Frieder Otto Wolf über die Entwicklungen in der zurückliegenden Wahlperiode und Schwerpunktsetzungen für die kommenden Jahre.

Humanistischer Verband Deutschlands

Herr Professor Wolf, mehr als drei teilweise überaus bewegende Jahre liegen hinter uns. Wie würden Sie diese Zeit zusammenfassend beschreiben?

Frieder Otto Wolf: Ja, bewegend und bewegt war diese Zeit: anscheinend öffnet sich auch in Deutschland ein „Fenster der Gelegenheit“ für den organisierten praktischen Humanismus. Nachdem die Kirchen ihre frühere erdrückende ideologische Hegemonie eingebüßt haben – und immer mehr klar wird, dass auch nichtreligiöse Menschen sich weltanschaulich orientieren, eigene Grundhaltungen besitzen und diese in der Lebenspraxis „wahr machen“ möchten, um gemeinsam sinnvoll zu leben. Einige der Entwicklungen in den letzten Jahren waren durchaus dramatisch, abwechslungsreich und mitunter auch aufwühlend. Und ganz unterschiedliche Ereignisse sind für uns relevant gewesen, von den Protesten gegen den Auftritt des zurückgetretenen Papstes im Bundestag, der Gedenkfeier für die Opfer der NSU-Morde, bei der zum ersten Mal nicht einfach eine Kirche als Veranstaltungsort gewählt wurde und auch wir als Weltanschauungsverband eingeladen wurden. Ich sehe aber auch die andauernde Wirtschafts- und Finanzkrise, das sogenannte Beschneidungsurteil von Köln und den offenbar wegen der anhaltenden Krise nicht aufzuhaltenden Aufstieg von Rechtspopulismus in vielen europäischen Ländern. Und wir haben uns als Weltanschauungsgemeinschaft, die aus ihren humanistischen Überzeugungen heraus etwas Relevantes beizutragen hat, in der Öffentlichkeit eigenständig profilieren können. Verbandlich schaue ich zugleich auf eine Zeit von mehr medialer Selbständigkeit und Sichtbarkeit, sowie auf einen Prozess, der zu einer klareren weltanschaulichen Profilierung führen und uns eine gemeinsame Vergewisserung über die eigenen Vorhaben bringen wird.

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