Buddhismus: „Wir müssen reden“


Foto: brightsblog
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Ein junger Tibeter in Mönchsrobe begeistert den Westen. Er trägt den Titel Karmapa und könnte die Zukunft des Buddhismus sein. Ein Gespräch mit Orgyen Trinle Dorje

Ein Interview von Petra Pinzler und Thomas E. SchmidtZEIT ONLINE

Vor diesem sanften Mann fürchten sich die mächtigen Nationen China und Indien – denn als religiöser Lehrer ist er die Hoffnung der jungen Tibeter, und als Wachstumskritiker zieht er bei seinen öffentlichen Reden Tausende Menschen an. Bisher durfte Orgyen Trinle Dorje nicht nach Europa reisen, jetzt war er zum ersten Mal in Berlin. Beim Interview trägt der Karmapa ein weinrotes Mönchsgewand, eine gelbe Schärpe hängt über seinen Schultern, der Kopf ist rasiert. Seine großen Themen sind Liebe und Mitgefühl, Ökologie sowie Frauenrechte. Er ist ein Star des globalisierten Glaubens, aber tritt wie ein einfacher Mönch auf. Zur Begrüßung in Berlin schüttelt er den Redakteuren die Hand und sagt freundlich „Guten Morgen“. Begleitet wird er von zwei Nonnen, die eine wird für ihn übersetzen. Er versteht zwar Englisch, doch er antwortet lieber auf Tibetisch. Nur manchmal, wenn eine Frage ihn besonders bewegt, reagiert er spontan auf Englisch.

DIE ZEIT: Euer Heiligkeit, wie fühlt man sich als Auserwählter? Haben Sie gespürt, dass Sie, gerade Sie, der neue Karmapa sind?

Karmapa: Es war ein sehr seltsames Gefühl. Dass ich mit sieben Jahren plötzlich das Oberhaupt unserer Glaubensgemeinschaft wurde, hat mich und meine Eltern vollkommen überrascht und verwundert. Ich stamme aus einer nomadischen Familie aus dem Osten von Tibet. Meine Familie ist zwar sehr religiös, es hing auch immer ein Bild meines Vorgängers an unserem Altar, aber niemals hatte ich daran gedacht, etwas mit dem Sechzehnten Karmapa zu tun zu haben. Ich war damals, als ich erwählt wurde, noch ein Kind und erlebte die neue Situation mit meinem kindlichen Verstand. Ich hoffte vor allem, dass ich viele Spielsachen bekommen und viel Spaß haben würde mit neuen Spielkameraden.

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