Geschichte: Das Chasaren-Märchen


Chasarenreich, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Der Historiker Shaul Stampfer widerlegt eine populäre Legende

Von Ulrich SahmJüdische Allgemeine

Die Chasaren, ein Turkvolk von der Krim, sollen Legenden zufolge zum Judentum übergetreten sein. Der israelische Historiker Shlomo Sand hielt das für bare Münze und schrieb seinen Beststeller Die Erfindung des jüdischen Volkes. Antizionisten wie der Bethlehemer Pastor Mitri Raheb griffen das Motiv auf, um zu behaupten, dass heutige Juden ethnisch nicht mit dem biblischen Volk Israel verwandt seien, sondern von den Chasaren abstammten, und deshalb in »Palästina« nichts zu suchen hätten.

Shaul Stampfer, Experte für sowjetisches und osteuropäisches Judentum an der Fakultät für Geschichte des Jüdischen Volkes der Hebräischen Universität Jerusalem, hat jahrelang alle schriftlichen und archäologischen Quellen dieser Legende durchgeforstet und kommt zu dem Schluss, dass es keine zuverlässige historische Quelle für die Behauptung gibt, dass die Chasaren Juden waren. Weder Volk noch Elite seien zum Judentum konvertiert, schreibt Stampfer in der Fachzeitschrift »Jewish Social Studies«.

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