Wie man Boko Haram trifft – und lebend zurückkehrt


boko_haram„Es geht nicht um Religion, sondern um Macht“: Der deutsche Reporter Michael Obert hat als erster westlicher Journalist mit einem Mitglied der islamistischen Terrororganisation gesprochen.

Von Hanns-Georg RodekDIE WELT

Selten dürfte die westliche Öffentlichkeit einen afrikanischen Namen so schlagartig gelernt haben wie diesen: Boko Haram. Im April entführte die Terrorgruppe aus einem Wohnheim in Nigeria 230 Schülerinnen, von denen die meisten noch heute in ihrer Gewalt sind; im Juni töteten Haram-Bomben mehr als 60 Menschen bei Anschlägen auf Public-WM-Viewings in Stadien. Westliche „Experten“ reden von Gotteskriegern und Scharia, aber keiner von ihnen hat jemals auch nur ein Boko-Haram-Mitglied zu Gesicht bekommen. Keiner außer Michael Obert. Der deutsche Reisereporter hat mit einem der „Haram“-Ideologen gesprochen – und ist zurückgekommen.

Die Welt: Wie haben Sie und Ihr Fotograf sich Boko Haram genähert?

Michael Obert: Wir haben zunächst alles dafür getan, damit Boko Haram nicht weiß, wo wir uns aufhalten. Wir haben nie mehr als einmal am selben Ort gegessen, nach zwei Nächten die Unterkunft gewechselt, nach maximal drei Tagen die Stadt. Wir sind abends nach der Rückkehr von unseren Streifzügen so lange im Kreisverkehr gefahren, bis wir sicher waren, dass uns niemand in unser Quartier folgt. Gleichzeitig haben wir über unsere Informanten die Nachricht gestreut, wir wollten mit Boko Haram reden. Die Kontakte gehen immer über Familienangehörige.

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